Galoppi avanti


Weihnachten nähert sich im Galopp. Uih, uih, der 17 Uhr 49 IC schiebt sich heute, 18.12.2015, mit vernachlässigbaren fünf Minütchen Verspätung in den Hauptbahnhof Düsseldorf herein. Das ist ein Weihnachtsgeschenk. Fünf Minuten nur. Geil. Die aktuelle Sterbetafel Deutschland weist mich als Mitglied der mit 79,8 Jahren voraussichtlich abdankenden Menschen aus. Ich habe doch noch viel Zeit.

Ich packe meine Glückskekse aus. 
 
Mmmh, die Wagenreihenfolgeanzeige dürfte wieder ein taktisches Manöver des Betreibers sein, um die Fahrgäste zu erhöhter Bewegung anzutreiben. Erste Klasse im Abschnitt E ? Nee, nee, das hat schon in den letzten Wochen nicht geklappt. Aber ich muss es wieder wissen wollen und trabe in Richtung des Abschnittes A. Sowas brauche ich ja. Und ich bin nicht alleine am Gleis im Abschnitt A vor exakt den Waggons der ersten Klasse. Uups. Sind die Einsen auf den Waggons etwa ein Fake?
 
Nö. Realität. Das Management scheint sein Leben zu oft in Casinos zu verbringen. Würfelspiele lieben die besonders. Organisation? Nebensache. Gehalt kommt ja. Bonus auch.  Wir haben Kunden? Was bitte ist das denn genau? Wurscht.
 
Für die korrekte Erfassung der Realität musste das aber sein, den Bahnflurtuschelfunk am Gleis ernst zu nehmen, reicht mir ja schon lange nicht mehr. Gut. Ich habe es überprüft. Dieses Unternehmen weiß wieder nicht, wie der Zug sich zusammensetzt. Dabei ist  dieser IC schon seit 13 Uhr 51 auf dem Ritt von Norddeich Mole nach Koblenz. Bei einem Notarzteinsatz dürfte derlei Schlampigkeit auch nicht gerade hilfreich sein.
 
Rettungsteam: In welchem Waggon befindet sich der notleidende Fahrgast?
Bahnmitarbeiter: Wir sind in Wagen 11 und das ist ein Wagen der ersten Klasse
Rettungsteam: Ok, super Ansage, wir kommen mit Notarzt, Trage und 2 Sanitätern in den Gleisabschnitt E
Bahnmitarbeiter: In 4 Minuten sind wir auf Gleis 16 HBF Düsseldorf
Rettungsteam: Wir sind bereit. Keine Sorge.
Bahnmitarbeiter: Wo sind Sie denn? Der Zug steht, die Situation scheint sehr kritisch zu sein. Hilfäääää.
Rettungsteam: Verflucht, wir stehen hier in Abschnitt E, bestätigt von der Leitstelle des Bahnhofs. Wo sind Sie denn?
Bahnmitarbeiter: In Wagen 11 und in der ersten Klasse, ist das denn so schwer?
Rettungsteam: Wir sehen hier keine erste Klasse Wagen, wo sind Sie genau?

 ?????????????
 
Die Menschentrauben verschieben sich auf dem Bahnsteig. Drag and Drop. Ich bin drin. Erinnert mich an Boris Becker und sein "Ich bin drin". Restlos überfüllte Abteile und Handtäschchen und Rucksäckchen benötigen ja immer einen eigenen Sitzplatz. Leichte Rempeleien verbaler Art bahnen sich schon an.
 
Meine freundliche Anfrage, ob denn für das Gepäckstück auf dem Sitzplatz eine gültige Fahrkarte vorhanden ist, wird natürlich mit erzürntem Blick quittiert. Goldig, diese nach oben wegrollenden Augen bei weiblichen Fahrgästen. Wieviele Stunden Training das wohl erfordert hat? Männliche Fahrgäste suchen bei meiner Anfrage regelmäßig das verlorengegangene Selbstwertgefühl, finden es in der Kürze der Zeit nicht und  packen sicherheitshalber den finsteren Blick aus. Kennen alle Filmliebhaber aus den Clint Eastwood bzw. Bruce Willis Filmen. Echt langweilig. Den finsteren Blick trainieren bevorzugt Bartträger der Altersklasse 25 bis 45. Die Jungs, die sich für ihr eigenes Gesicht schämen?
 
Egal. Platz ergattert. Fahrkartenkontrolle. Klar, die wird immer durchgeführt, ob der Zug steht, fährt, arschkalt ist oder einen Notbahnhof anfährt. Ganz nach dem Motto: Wer in unseren Stahlcontainern sitzt, der muss blechen.
 
Auf die Displays (Smartphone/Tablet)  der Nachbarn ungeniert starrende männliche Fahrgäste, die außerdem in der Sozialisation noch nicht so weit gekommen sind, um erkennen zu können, dass der selbst erzeugte Müll in einen Müllbehälter gehört. Starren können Sie wie die Hypnotisierten. Breitbeinig im Sitz fläzend. In der Annahme, diese Sitzhaltung wäre nur im Ansatz ästhetisch?

Grusel .... Hoffen die etwa auf Blowjobs?
 
Keine ernsten Vorkommnisse auf der Fahrt nach Koblenz mehr. Rumpel, rüttel, schüttel, die Flasche festhalten ist das Gebot der Sekunde. Die Gleise vor der Einfahrt HBF Koblenz sterben ja schon seit 9 Jahren langsam vor sich hin. Da brauchen die kein Lasermessgerät, um die Spurweite auszumessen, da reicht der Baumarktzollstock mittlerweile.

So Pi mal Daumen, damit der Zug nicht ins Gleisbett reinfällt. 






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