Fernab der Gleise , der TÜV und abgestürztes Prozessmanagement

Verfasst von Thomas am .


Der weihnachtliche Ritt zur Familienfeier im badischen Land hatte es auch in sich.  Dieses Mal mit unserem vollgepackten Micro-Van (Opel Agila B), seit dem 7. Dezember 2015 mit dem neu zugeteilten TÜV Siegel ausgestattet. Dieses seltsame Ritual zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit kostet mittlerweile 109,00 €.  Kilometerstand 81100  Kilometer.

Sehr zuverlässiges Brummerchen bisher.

Bei angenehmen 130 km/h auf der Autobahn schleicht sich von hinten so ein sonores Brummen heran und ich hatte den Eindruck, dass uns ein aufgebohrter VW Golf Turbo auf die Pelle gerückt sein musste. Konnte natürlich nicht sein, denn an Weihnachten haben die Jungs und Mädels der schrillen Geräuschfraktion nicht genügend Auslauf auf der Autobahn, um die Mitmenschen auf sich aufmerksam machen zu können. Da sitzen die entweder zu Hause, vertieft in den Onlinekatalog für die neuesten Highlights der Autobranche.  Oder schrauben gar selbst an den Fahrzeugen herum.

Das Brummen wird immer intensiver und nach einem kurzen Stop auf einem Autobahnparkplatz und "Belauschung" der möglichen Brummquelle stellt sich der Auspuff als Quelle des Geräusches heraus. Der Endtopf wackelt leicht vor sich hin, ist überhaupt nicht heiß und das davor liegende Rohr sieht aus wie fachgerecht abgesägt. Nun denn, bei gemäßigtem Tempo die Fahrt bis zum nächsten Mietwagenanbieter fortgesetzt. 

Der Besuch in der Fachwerkstatt Tage später resultiert in einem Reparaturtermin und voraussichtlichen 300 € Werkstattkosten. Die Hebebühne hat das Brummerchen hochgehievt und der Werkstattmeister und ich betrachten das Malheur. Meine zaghafte Nachfrage, wieso denn dieser phänomenal glatte Abriss kurz vor dem Endtopf den intensiv prüfenden TÜV-Prüfern entgangen ist, wird eiskalt abgebügelt. Diese Sollbruchstelle kann von außen nicht erkannt werden. Keinesfalls. Auch nicht von gewieften Prüfern. Sollbruchstelle? Nein, nein, das ist ein hochbelasteter Bereich, Sie wissen schon: Temperatur-Feuchtigkeit-Boah-Extrem-Bereich. 

Eine übereifrige Fee hat mir vor Jahrzehnten zugeflüstert, dass korrodiertes Metall ein anderes Geräusch erzeugt als nichtkorrodiertes Metall. Man muss nur genau hinhören. Können - Wollen.

Aaahjah. Haben die Prüforganisationen nicht nur Probleme im Prüfgerätebereich und der mangelnden Dokumentation der Prüfprozeduren, wie in den Zeitungen zu lesen ist? Auch Probleme im Seh- bzw. Hörbereich? Aaahjah. Es verbinden sich gerade einige Verschwörungsgedanken bei mir.

Die Hauptsache, die Prüfgebühr ist drin. Echt? Könnte das sein? Oder fehlt da eine Seite in der Prozessbeschreibung? Hilferuf an das Qualitätsmanagement - fehlen Seiten??

Unseren Weihnachtsausflug hatten wir nicht weiter fortgesetzt mit dem brummenden Brummerchen, sondern bereits wie angedeutet einen Mietwagen genommen. Umweltverschmutzung ist nicht unser Ding.  Bei 2 Tagen Mietzeit gab es für 130 € einen funkelnagelneuen Corsa Diesel. Das Kapitel Sixt verdient eine ausführliche Schilderung. Demnächst in diesem Blog.  Bei 130 km/h war dieser Corsa Diesel auch nicht viel leiser als unser Brummerchen. Mmmmh....

Ich glaube, ich schicke mal die Mietwagenrechnung zum TÜV. Und ein Meisterhämmerchen dazu. Das haben früher wirklich nur die Meister bekommen. Heute gibt es das wahrscheinlich bei Ebay zu ticken. Oder hat dieses Kompetenzgefiebere was damit zu tun? Nach der Devise: Kompetenz ja - Wissen nein - Mangels Wissen fachorientierte Lösung der Problemstellung nicht möglich - Her mit den Textbausteinen - Pardon - Qualitätsmanagement - Prozesssteuerung. Die Begriffe purzeln gerade so vor sich hin.  Ich muss mich wieder sortieren.

Versuchen könnte ich es trotzdem mal mit der Rechnung an den TÜV. Per Post Einschreiben-Rückschein natürlich. Mails verschwinden ja so schnell. 

Update Eins 

Der Auspuffendtopf wurde Anfang Januar 2016 eingebaut und die Rechnung erschien mir mit 320 € erträglich. Nicht erträglich dann die Tatsache, dass zwei (2) Tage nach der Reparatur der Auspuff genau so klang wie vor der Reparatur. Das hat mir an einem der folgenden Tage eine volle Stunde Wartezeit im Opel-Dienstleistungs-Kunden-Warte-Nicht-So-Gemütlich-Bereich beschert. Bei der neuerlichen Fahrzeugübergabe - ohne weitere Rechnung - die lapidare Auskunft: Eine Halteklammer wollte nicht so, wie der Kfz-Monteur es wollte und deshalb musste jetzt geschweisst werden. Ohjemineh, wie lange wird dieser Auspuffendtopf wohl seinen Dienst verrichten? Halteklammer, ick hör' dir trapsen. 




Tags: Zertifikatsbepperle, TÜV

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