Temperaturen, Schlangenöl und Notebooklaufzeiten


Ich bin im Arbeitskörbchen 2016 gelandet. Der IC Abfahrt 06Uhr05 ab Koblenz rollt wieder ohne den Wagen 11 (Bistrowagen) los. Naja, die Reise führt auch nur zum Ostseebad Binz. Wozu da einen Bistrowagen mit dem unnötigen Service mitschleppen? Wagen 4 ist angenehm beheizt und die 10 Minuten Verspätung bei Ankunft in Düsseldorf stellen nichts Besonderes dar. Business as usual.

Heute habe ich mich dem Thema Messungen sowie Bewertungen gewidmet. Ich ermittle heute gefühlte Temperaturen beim Bahnreisen, Freundlichkeit der Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter des Transportunternehmens sowie die Laufzeiten meines Lenovo Thinkpad T 420.

Das Notebook ist ausgestattet mit 1 TByte SSD-Festplattenspeicher, verteilt auf 3 Samsung 840 Pro SSD. Der hinten etwas hinausstehende Akku mit der Kapazität von 95 W/h macht die Kiste zwar etwas schwerer, dafür muss ich nicht bei jeder Gelegenheit mit verzweifeltem Blick nach einer Steckdose schielen. Videos mit einer Auflösung von 720x576 saugen mit 13,5 Watt pro Stunde Videolaufzeit am Akku, bei der Auflösung von 1280x720 sind es dann 16 Watt pro Stunde Videolaufzeit.  Gemessen mit abgeschaltetem WLAN sowie abgeschaltetem Bluetooth. Damit kommt das Notebook auf 6 bis 7 Stunden Videowiedergabe. Als Betriebssystem kommt auf dem Notebook Kubuntu 14.04 (Linux) zum Einsatz und hier darf Microsoft Windows8.1 nur in einer virtuellen Maschine den Betrieb aufnehmen. Die Firma Microsoft geht mir ja schon seit Jahren gewaltig auf den Keks mit ihren Klicki-Bunti-Spyware-Systemen, bei denen ich immer paranoider wurde, weil die zwingend notwendigen Virenschutzlösungen für das löchrige Windows andauernd irritierende Meldungen ausgeworfen haben. Die Logik bei diesem zwangsverheirateten Pärchen - Microsoft Windows + Virenschutzlösung - kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Das kommt mir immer so vor, als ob ein Schweizer Almhüttenbetreiber seine Käsekammer mit den Käselaiben (die mit den vielen Löchern drin von den mampfenden und pupsenden Bakterien) mittels einer Türe sichern möchte, welche von ebenso mampfenden und pupsenden Holzwürmern "durchschossen" wurde.

Virenschutz = Schlangenöl= Im Badischen nennen wir das auch Bescheißerle.

Und das Schlangenöl wird ums Verrecken nicht billiger [geschweige denn dass die Erkennungsrate des Schlangenöls steigen würde], wohingegen Windows10 zu den Kunden geschmissen wird für "Umme". Los, Mensch nimm es doch endlich, das ist so was Geiles. Nimm! Endlich! Los! Und der drohende Unterton so ganz nebenbei: Nächstes Jahr kostet es dann echtes Geld. Was ist da bloß los beim Hersteller des weltweit verbreitetsten Betriebssystems? Eine Betriebssystementwicklung ist nicht unter 1 Milliarde Euro zu haben und dann überlässt dieser Hersteller den vermeintlichen Schutz seiner "Babies" irgendeiner anderen Softwarebude? Oder schieben die sich einfach gegenseitig die Euros rüber? Warum nur? Nur um die Bilanzen zu hübschen? Wenn ich nur dieses widerwärtige aufpoppende Meldungsfenster in Windows 8.1 nach dem Anmelden am Rechner schon rechts erblicke, könnte ich meine Gußpfanne rausholen und draufdreschen. Und das bekommt man einfach nicht dauerhaft wegkonfiguriert, dieses Meldungsfenster, da haben die Jungs und Mädels aus Redmond/USA alle Register gezogen.

Holzauge sei wachsam, ist die Ware kostenlos, bist Du selbst die Ware.

In den Maileingang rollte letzthin eine jener Mails mit Anhang herein, auf die ich mich immer mit Begeisterung stürze. Der Anhang ist eine Zipdatei (.zip) und drinnen ein Worddokument. Aber ein Worddokument, dessen Inhalt sich "gewaschen" hat. Exakt die Ausführung von Worddokument, von dem das Computermagazin ct  kurz zuvor berichtet hatte. Da stand doch fast der ganze Code im Dokument selbst drin und nichts war zu sehen in dem Dokument, weil die Schrift in der Formatierung auf weiss gestellt worden war. Brizzel, brizzel. Seit langem wieder ein Worddokument mit VBA-Code drinne. Fast so wie in der Bekleidungsindustrie, da wiederholt sich alles im 10-Jahres-Takt. Bei der Gelegenheit fällt mir wieder ein, dass nur ganz wenige Menschen auf diesem herrlichen Planeten überhaupt die Dateiendung für eine Zipdatei (.zip) erblicken können. Warum? Weil Microsoft seit Methusalems Zeiten seine Betriebssysteme so ausliefert, dass Dateiendungen ausgeblendet werden.
Yeap, das ist ja so komfortabel, wenn der Kunde nicht alles sieht. Und damals wie heute klickt jeder hektisch doppelt auf die Dateien, auf dass etwas passieren möge. Klicken, bis alle auf dem Baum sind. Oder  die Schadsoftware in das Betriebssystem eingeschleust ist.

Es ist an der Zeit, den PC-Führerschein zur Pflicht zu erheben. Ohne Führerschein darf auch niemand ein Auto über die Straßen rollern lassen. Es ist an der Zeit. Nicht diese labberige Medienbildung wie in den Schulplänen vorgesehen, sondern echte Leistungs-Können-Beherrschen-Abnahme in der Handhabung eines Computers. In dem Fall reicht dann auch eine schlichte Kompetenzprüfung, die Hauptsache was gelernt + geübt + somit verinnerlicht.

Der Virenschutz AVG Business hat bei diesem Worddokument keine Gefahr erkannt, ClamAV sowie nicht, diese Software läuft ja mit Tomaten auf den Programmschnipseln herum. Potzblitz, aber der Microsoft Defender hat sofort rumgepöbelt - Gefahr,Gefahr,Quarantäne! Hey, wenigstens erkennt das Microsoft Schutzprodukt den hauseigenen Müll. Der Check bei virustotal.com ergab, dass 40 % der dort herumtobenden Virenschutzsysteme eine Gefahr erkannten. Wowh. Ich stelle mir bei dem Thema Schadsoftware immer vor, nur 40 % der Sicherheitsgurte würden im Ernstfall funktionieren.

Was ein Elend.

Zurück zu den Messungen bzw. Bewertungen. Die Rückfahrt mit dem IC Abfahrt 16Uhr27 ab Düsseldorf verzögerte sich betriebsbedingt um 10 Minuten. Alles betriebsbedingt - Weichen-Blätter-Schnee-Eis-morbide Lokomotiven. Das habe ich locker angenommen und den Bistrowaggon aufgesucht, welcher zufällig auf der Höhe meiner Warteposition am Gleis 16 zum Halten kam. Der Servicemann im Bistro verkündete gleich mal das völlige Fehlen von Gläsern und alkoholfreiem Bier. Weintrinker nuckeln halt direkt aus dem Fläschchen und ich als Flaschenkind habe mit Bier aus der Flasche schon lange keine Probleme mehr. Da stelle ich das Zäpfchen auf Durchzug und alles ist prima. Leider war dieses Bier temperaturmäßig kurz vor dem Gefrierpunkt angekommen, als ich es vom gleichgültigen und schon fast unfreundlichen Servicemann rübergereicht bekam. Auch die 50 Cent Trinkgeld haben keinerlei Reaktion bei diesem Vertreter des Dienstleistungsgewerbes hervorgerufen. Ich ummantle das Frostprodukt mit meinen Händen und bewärme es bis Köln. Und dann geschieht es schon wieder: Das Bier in der Flasche wird langsam wärmer, die Temperatur im Bistroabteil sinkt. Faszinierend. Ich beäuge meine Mitreisenden und beim Einlaufen in den Bahnhof Bonn haben sich einige schon die Jäckchen zum Wärmen übergezogen. Ich bin also doch nicht irre geworden, ich bin ja nicht alleine beim Frösteln. Gottseidank. Das bleibt zu erforschen, ob und inwieweit die Flaschenkühlung im Bistro an die Klimaanlage des Bistroabteils selbst gekoppelt ist. Besteht hier lediglich eine Korrelation oder gar eine Kausalität? Ich habe nicht getestet, ob nach dem Absinken der Bistroabteiltemperatur die Temperatur des verkauften Bieres angestiegen ist. 2 Fläschchen auf der Rückfahrt sind mir doch zuviel des Guten. Oder wollen die dann mit dem Trick den überteuerten Thai-Yi-Gong-Tee verkaufen? Kundenswapping betreiben? Ei gucke mal, die steuern die Getränkewünsche der Kunden? Wie cool die doch sind.

Keine weiteren Vorkommnisse.





 

Tags: Fleischtemperatur, Windows 10, Bahnunwesen, Kaulquappen

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