hippo attacks xkcd 05.06.2021

Internetsucht + Universitätsklinikum Tübingen [ Update ]


11.02.2017 Der Selbsttest, oder soll ich die Zielgruppensprache dieses Selbsttestes wählen, das wäre dann "Quizlein"? Puuh, ich kann mich nicht entscheiden. Hans-Joachim Kulenkampff 1 könnte mir bestimmt weiterhelfen.

Heute habe ich mir Gummistiefel der Sonderklasse, sogenannte Watstiefel 5, angezogen, denn der mit dem Begriff "seriös" selbstbetitelte und öffentliche Selbsttest mit der Signatur des Universitätsklinikums Tübingen wabert auf glitschigem Grund in trüben Gewässern. In diesen Watstiefeln begebe ich mich auf die trittgefährdenden/rutsch-sau-gefährlichen "wissenschaftlichen Backsteine" des Selbsttestes mit der Signatur des Universitätsklinikums Tübingen.

Auweih. Ich bin schwer auf der Hut. Ein bisschen panisch bin ich auch.    

Das Universitätsklinikum Tübingen, mit wohlwollender Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit der BRD, wirft im Eröffnungstext zum angebotenen Selbsttest (mittels 14 Quizfragen) wohlwollende Worthülsen zum Lesenden rüber. Es dreht sich um das aufgekeimte Thema der abhängigen Internetnutzung. Um die ausschließlich private, nicht-akademische und nicht-berufliche Nutzung. Das mit der Ausklammerung der beruflichen Nutzung verstehe ich, die nicht-akademische Nutzung gibt mir Rätsel auf. Was ist nicht-akademische abhängige Internetnutzung? Im Verzweigungsbaum gehört diese spezielle Internetzung wohl nicht zur beruflichen Nutzung, anscheinend auch nicht zur privaten Nutzung. Muss also irgendwie oder irgendwo in anderen Sphären wohnen - die nicht-akademische Nutzung. Rätselhaft.   

Die textliche Eröffnung mit "Vermutlich spüren Sie selbst, ob etwas mit Ihrer Internetnutzung nicht stimmt" kommt so liebevoll wie die Ansprache von Mami und Papi oder einem Wald-/Wiesen- Therapeuten rüber. Diese Eröffnung durfte offensichtlich der Praktikant schreiben, obgleich der öffentlich angebotene Selbsttest sich auch an den in der Freiheit herumspringenden Bürger wendet und NICHT an den in der Therapiesitzung befindlichen und verunsicherten Patienten. Wobei dieses famose "spüren Sie selbst.......nicht stimmt" eher von einem gerade noch die Abschlussprüfung - huch, wie habe ich das nur hingekriegt? - erreichten Therapeuten ausgestoßen werden dürfte, oder? Und nur gegenüber einem sprachlich nicht ausgebildeten/ausgereiften und zu Beschreibungstexten noch nicht sonderlich fähigen Klein-/Kleinst- Kind?

Brizzel. Mami und Papi gucken mich schon mitleidig an. Ich fühle es.

Fängt gut an, oder?

Der folgende Satz mit "...unsicher sein, helfen seriöse Fragebögen bei einer ersten Einordnung" sorgt für das Ausstrahlen von Verlässlichkeit und soll Vertrauen aufbauen. In der Kategorie seriös rangieren je nach individuellen Befindlichkeiten/Erfahrungen Piloten von Verkehrsmaschinen, Wissenschaftler, Ärzte, Lehrer, Ingenieure. Dann verengt sich der Seriositätstrichter heftig und am Ende des möglicherweise langen Seriositätstrichterhalses tauchen dann eventuell erst Politiker, Pfarrer, Puffbetreiber, Autohändler, Hedgefondmanager oder gar EU-Bürokraten auf. Sei es drum. Mit Nicht-Allgemein-Plätzen haben es die Selbsttest-Ersteller eh nicht, wie sich herausstellen wird. 

Ich werfe mich in den Test. Die nachfolgenden Screenshots des Testes zeigen lediglich die Frage mit den maximal fünf Wahlmöglichkeiten. Ich entscheide mich, das Wort "Quiz" zu benutzen, denn die KlickSchaltFläche ist ebenso beschriftet. Die eigentliche Textseite des "Quizzes" ist bei jeder Frage viel mehr vollgeballert ( sowohl mit Text als auch Foto), aber ich nutze die Screenshots als Zitat-Screenshots. In jedem Screenshot ist das Universitätsklinikum mit seiner Signatur zu erblicken, um den Verweis auf den Ersteller/Verantwortlichen der jeweiligen Frage eindeutig hervorzuheben. Schließlich mopse ich keine Fragen von anderen Webseitenerstellern, wenngleich die Schöpfungshöhe dieser fünf Entscheidungsmöglichkeiten keinerlei hervorzuhebende schöpferische Leistung darstellt. Weder die Fragen noch die einzelnen Bewertungsmöglichkeiten weisen eine dem Universitätsklinikum Tübingen zuzuweisende Schöpfungshöhe auf. Sie sind nämlich schlicht aus dem Englischen übersetzt und kommen hier her.(---> http://www.academia.edu/15239865/The_Compulsive_Internet_Use_Scale_CIUS_Some_Psychometric_Properties). Über die interessante Gestaltung der Antworten-Bepunktung könnte man sich auch mal unterhalten. Hier reicht aber mein Testergebnis---> siehe unten.

Stichwort CIUS also.

Interessanterweise hat sich Dr. Dipl. Psych. Peter Peukert mit dem Thema schon beschäftigt. Der Titel seiner Beschäftigung lautet " Faktorielle Struktur der deutschen Version der Compulsive Internet Use Scale (CIUS) nach konfirmatorischer Faktorenanalyse. (nachzulesen hier--->  http://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1026/1616-3443/a000137?journalCode=zkp). Herr Peukert werkelt auch in Tübingen herum?

Die Uniklinik Bonn wirft einen Short-CIUS Test raus. (nachzulesen hier----> http://www.klinik-bonn.lvr.de/media/lvr_klinik_bonn/medizinische_abteilungen/4_ap/pdf_3/Selbsttest_Internetnutzung.pdf) Und es gibt eine Masse von Tests für dieses Thema (Auflistung hier --->http://dr-elze.com/internetabhaengigkeit-test)

Vorweg und zur Begriffsklärung. Jawohl, ich möchte den Begriff Internet beleuchten und eine Begriffsfestlegung muss sein, sonst wird aus ernsthaften Vorhaben lediglich ein Kokolores-Soziologen-Erwähnungsgeblubber.

Der Begriff Internet: "Das Internet ist selbst kein eindeutiges technisches Netz, sondern eine logische Struktur aus geeigneten Protokollen, die die unterschiedlichsten Netze in Zusammenschaltung benutzt." (Seite 26 F-J. Kauffels Lokale Netze ISBN 3-8266-4042-X ).

Mit Hilfe des Internets werden unterschiedliche Dienste! (sic hic) abgewickelt. Zu den Diensten gehören das "Surfen", das Verschicken und Empfangen von Mails, die Synchronisation von Clouddaten, der Gebrauch verschiedener Messenger- oder Chatdienste, der FTP-Dienst, Remotecontrol mittels TeamViewer, der Einsatz des TOR-Browsers, die Nutzung des DarkNet, Online Spiele ( es gibt nicht nur Ballerspiele! ) und wer sich die Diensteliste erschließen möchte, hier wird er fündig. (https://de.wikipedia.org/wiki/Internetdienst) 30.01.2017 13Uhr59 geänderter Artikel Wikipedia. Ein detaillierteres Bildchen zu Netzwerkprotokollen hätte ich noch hier 2 . Wer hier schon aussteigt und meint, der Begriff Protokolle sei doch völlig fachspezifisch, dem sei zugeflüstert: Protokolle ~ Sprache. Jede Sprache hat ihre eigene Syntax. Na, besser? Dolmetscher gibt es für viele Protokolle im Internet. Das könnte dann ein Router sein. Zum Beispiel.

Der Dienst WorldWideWeb: Auffinden und Darstellen von Informationen mithilfe eines Programmes/einer Software und hier mit einem Browser. Browser wie Firefox, Chrome, Safari etc ermöglichen es, Informationen, welche über eine Suchmaschine als Suchergebnis angeboten werden oder aber durch exakte Kenntnis und Eingabe der korrekten URL oder der korrekten IPv4-Adresse eines Servers (Diensteanbieter Daten) , dessen auf Port 80 oder Port 443 angebotene Daten anzufordern und als Information im Browser darstellen zu lassen.

Aus dieser Kurzdarstellung ergibt sich die Falschwahl des Universitätsklinikums Tübingen mit der Wahl des Begriffes "Internet". Da hilft auch kein Zurückrudern in die platitüdige Welt der Vereinfachung. Nach dem Motto: Wir haben die Umgangssprache gewählt, um den Test so begreifbar (unscharf?) wie möglich zu gestalten. Das könnte mit viel Wohlwollen durchgehen können, wenn die Selbsttestersteller nicht die Begriffe Internet, Internetsitzung und online sowie offline nach Belieben benutzt hätten in diesem Quiz. Die Testersteller meinten offensichtlich ausgewählte Dienste und haben diese nicht benannt. Klar, ohne Fachkenntnisse kann es nur laberig werden. Wozu auch Vorhandenes hinterfragen, schließlich nutzen die Selbsttestersteller nur die mainstreamigen sowie schon vorhandenen Selbsttestfragen aus dem Englischen. Dieses Verhalten ähnelt jener Erscheinung 6 . Die Hauptsache, mitgehupft. 

Solcherlei Vorgehensweise kann mächtig in die Hose gehen. Was heißt kann, es geht völlig in die Hose bei diesem Test.

Ich unterstelle: Dieser Test benutzt den Begriff Internet, um aus dieser Begriffsunschärfe ebenso unscharfe Antworten zu einem Ergebnis der Beliebigkeit zusammenfassen zu können. Tirili-Tirila-Ergebnisse. Die Hauptsache, ein Anderer bezahlt die Auswertung. Wie, es gab keine IBM SPSS 24.0 Software im Haus, mit der solcherlei schnell hätte ausgewertet werden können, wenn es sich denn lohnen würde? Echt? Na dann wird ja jetzt eine Education-Lizenz bei IBM rausspringen, oder? Bei der wohlwollenden Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit der BRD. Und dann wird IBM SPSS 24.0 hoffentlich für einen wertigen Test eingesetzt. Hoffentlich!

Meine individuellen Deutungen der vierzehn Quizfragen:

Frage 1 NICHT INTERNET, SONDERN ONLINE?

tuebingen frage1

 

Woher weiß ich denn, ob ich gerade online bin? Wohne ich auf dem drahtlosen Datenkanal meines Mobilgerätes und belausche die Apple Cloud Synchronisationsdatenpäckchen? Was bitte ist eine Internetsitzung im online Zustand? Ich bezweifle stark, dass ich beim Lesen der Online-Ausgabe der ZEIT offline sein kann. Außer natürlich, ich lade mir online erst die gesamt Webseite der ZEIT herunter, um selbige dann offline betrachten zu können. Was ein Murks! Bin ich nach dem Download der ZEIT Webseite auf mein Endgerät, anschließender Umschaltung auf Flugmodus im Apple Mobilgerät definitiv offline, aus der Fragestellung draußen? Dann darf ich Dusselchen aber keinen Hyperlink in einem downgeloadeten Artikel anklicken, sonst bin ich flugs wieder online. Oh wie gefährlich. 

 

Frage 2 NICHT INTERNET, JETZT OFFLINE?

tuebingen frage2

 

Wenn der Akku meines Mobilgerätes abnippelt, werde ich wohl definitiv offline sein. Wenn ich den Browser Safari schließe, könnte ich offline sein. Bin es aber nicht, denn der Mailclient ruft ja alle 10 Minuten die Mails ab. Muss ich das jetzt mal ermitteln, wann 10 Minuten vorbei sind? Jaja, die Dienste und das Internet. Und justament, wenn ich gerade einen interessanten Artikel gelesen habe und mich eine Begriffsklärung interessiert, welche in so einem dahingerotzten Artikel unsauber verwendet wird, jawolli, dann beginnt meine Recherche. So isses. Auf demselben Niveau wäre die Frage: Setzen Sie den Garungsvorgang beim Hirschbraten fort, wenn Sie nach der Temperaturmessung festgestellt haben, dass der vorgeschriebene Garpunkt noch nicht erreicht wurde. Herrjemineh, wer hört denn dann auf zu garen. Wer?

 

Frage 3 AH, HIER TAUCHT DAS INTERNET AUF

tuebingen frage3

 

Woher sollen die etwas wissen, was ich noch nicht mal auf direkte Frage hin beantworten könnte? Ich weiß ja gar nicht, was mein Mobilgerät jetzt so treibt! Wie gesagt, Dienste und Internet. Es ist schwer auseinanderzuhalten, gelle? Und außerdem: Ist das zulässig, dass ein möglicherweise Süchtiger von seiner möglicherweise Süchtigengruppe (Kontrollgruppe= Nicht vorhanden, weil identisch mit Zielgruppe) nach deren Sicht der Dinge befragt wird? Ich werde also zum Beispiel in der Stammkneipe von meinem möglicherweise alkoholisierten Freund darauf hingewiesen, das ich eventuell zuviel "getankt" hätte. Was bitte soll das denn? Lall-Schwall-Gummiball, sollte ich das etwa akzeptieren? Und wenn die anderen alle auch am "Surfen (WorldWideWebben)" sind? Ja und dann?

 

Frage 4 UND WIEDER DAS INTERNET

tuebingen frage4

 

Na klar, werfe ich mich sofort in den Dienst WWW, wenn mir alle auf den Zeiger gehen und keine vernünftige Antwort zur Klärung meiner Fragen anbieten können. Das sind nicht nur Kuchenrezepte oder Rinderrouladenrezepte. Wenn ich mit Anderen quaken möchte, dann tue ich es. Wenn sie Zeit haben. Wie war das noch mit den mindestens 20 Minuten Gesprächszeit, die Du pro Tag in einer Beziehung mit Deiner Liebsten haben solltest? Gereifte Beziehungen sollen sogar telepathische Kommunikation entwickelt haben. In die Augen gucken und alles wird gut. Und warum gilt das nicht für zum Beispiel das "Surfen". Lesen bildet. Nicht nur die Papierausgabe der Bildzeitung ist interessant. Ah, jetzt kommt der erste Piekser. Die analoge Welt ist ja die Bessere. Ah, da rollt der Knödel her. Woher kommt die Deutungshoheit, das Analoge sei qualitativer? Woher?

 

Frage 5 OH OH, JETZT INTERNETNUTZUNG

tuebingen frage5

 

Ich war noch nie deswegen unausgeschlafen, weil mein Apple Endgerät unablässig Updates runternuckelt und die Apple Cloud synchronisiert. Übrigens: Wenn ich ein Hobby sehr intensiv betreibe (Gartengestaltung, Möbeltischlern), gerate ich auch in eine Zeitknappheit. Bei 18 Stunden Gesamttagesbeschäftigung (Job plus Hobby) ist jeder unausgeschlafen. Aber eventuell glücklich wegen der erreichten Erfolge? Individualität nicht mehr gewollt? Häh? By the way: Jede PowerpointPräsentation drückt mich in den Schlaf. Jede. Powerpoint-to-death. Diese Krankheitsbild ist schon abschließend behandelt. Die Neujahrsrede der Bundeskanzlerin drückt mich auch immer in den Schlaf. Schon während der Rede. Verlässlich. Langweilige nichtssagende Textbausteine. Brrr.

 

Frage 6 NICHT INTERNET, SONDERN ONLINE

tuebingen frage6

 

Wie kann ich nicht an das "Internet" denken? Was, wenn es kaputt geht und ich aber dringend die Wettervorhersage von yr.no brauche. Die Sorgen um die Funktionsfähigkeit (wurde es von Arabern gekapert, hat die US-Regierung die DNS-Server abgeschaltet? oder hat der deutsche Innenminister zusammen mit Kumpel Justizminister eine WWW-Zensur eingerichtet? ) treiben mich genauso um wie die Sorge um die Funktionsfähigkeit der Krankenhäuser und meines kleinen Autos. Ich sorge mich auch um die Funktionsfähigkeit der Polizei bei den radikalen Personalkürzungen der letzten Jahre. Um Politiker sorge ich mich übrigens nicht. Die wissen, was sie mindestens tun müssen, um die üppige, der Restbevölkerung nicht zugestandene Altersversorgung zu ergattern. Übrigens denke ich auch an meine Liebste, obgleich ich nicht real mit ihr rumkuschle. Jesses-Maria. Ich denke auch an meine Mutter, obwohl ich ihr nicht gegenübersitze. Und ich denke hie und da an meine Bankschulden, obgleich die mir nicht auf den Schultern sitzen, sondern lediglich der Tilgung bedürfen. Alles paletti mit der Ratenzahlung. Trotzdem denke ich an die Bankschulden. Hi und da und mal öfter. Na und?

 

Frage 7 WOWH, INTERNETSITZUNG

tuebingen frage7

 

Klingt wie der Besuch beim Arzt oder beim Vorgesetzten. Sitzung klingt nach Termin und Verpflichtung. Wie soll ich mich nach dem nächsten FTP-Upload oder Apple Cloud Synchronisationsvorgang sehnen? Gemessen an welchen Kriterien soll ich mich nach einem Gegenstand meines täglichen Lebens sehnen? Ich sehne mich nicht nach Krankenhäusern oder nach meinem Auto. Aber ich brauche eventuell das Krankenhaus oder gar mein Auto. Das weiß ich. Stille Reserve. Leitplanken des Lebens. Übrigens ein Grundbedürfnis von Menschen, welche sich als mündige Bürger betätigen möchten: Informationen zum Stand der Welt erhaschen oder auch nur erfahren, ob es den Liebsten im Australienurlaub gut geht. Die Zeit der Brieftauben und das ewige Warten darauf, welche Brieftaube aus Australien den Flug überlebt, ist endgültig vorbei. Dafür gibt es auch Internetrouter. Und komme mir keiner damit, dass es keine Internetrouter gibt. Ich sehne mich danach, ein YouTube Video von Hans Rosling sehen zu dürfen. So ein TED-Video bringt mir mehr als ein Jahresabo der Süddeutschen. Echt. Leider ist Herr Rosling verstorben und ich hätte sowieso nie die Möglichkeit gehabt, ihn persönlich kennenzulernen. Ich bin ja nur ein kleiner Weltenwicht. Aber seine Videos über Statistik! Gnadenlos gut. Seufz.

 

Frage 8 UND WIEDER DAS INTERNET

tuebingen frage8

 

Dann schmeißt mich unter Umständen mein Provider Congstar aus dem PrePaid-Vertrag. Heutzutage wird gestraft, wer seine digitalen Pflichten nicht erfüllt. Datenpäckchen schubsen ist Pflicht und Geld verbraten ein Muss. Bist Du nicht drin, bist du hin. So einfach. Soll ich mich eventuell kasteien und wie die pflegeleichten Mönche in irgendein Verlies zurückziehen? Oder soll ich jetzt nur noch hie und da Mails beantworten oder gar nur noch alle Quartal die Nachrichten lesen? Pfff. Irgendwie ist Nr. 8 gaaanz billig aus Nr. 7 generiert. Pfff.

 

Frage 9 UND WIEDER DAS INTERNET

tuebingen frage9

 

Ich habe noch nicht mal einen Test gestartet, die Internet-Nutzung des Mobilgerätes einzuschränken. Wie auch? Soll ich das Mobilgerät deswegen jetzt nachts abschalten? Oder erst mittags um 15 Uhr einschalten? Dann bekomme ich eine Abmahnung von Apple, weil die beleidigt sind und deren Synchrofunktion nicht mehr korrekt arbeitet. Beim PC mache ich das doch auch nicht, da schreit der Updatedienst von Microsoft oder der Virensignaturdienst von Bitdefender nur so herum. Abgesehen davon, warum sollte ich versuchen, meine Zeitungslektüre zeitlich einzuschränken, nur weil irgendjemand das für "möglicherweise gesünder" hält. Als Konsequenz der Verkürzung nur noch die Überschriften bei bunte.de lesen? Nö. Bääh. Nr. 9 schlumpft auch mit Nr. 8 herum. Irgendwie.

 

Frage 10 NICHT INTERNET, SONDERN ONLINE?

tuebingen frage10

 

Logo. Ich rase durch die Einkaufshallen, wenn der Zug um 19Uhr30 im HBf Koblenz eintrifft, ich nix zu knabbern zuhause habe und der Krimi über die Mediathek des ZDF ausgestrahlt wird. Um 20Uhr15. Hurry up, my baby. Da grüße ich noch nicht einmal den Nachbarn, weil ich es so eilig habe. Und zugegebenermaßen orgle ich mit höherer Geschwindigkeit und bewaffnet mit meinen Wischelläppchen durch die Wohnung, um Sauberkeit herzustellen. Für mich gibt es nichts Öderes als das Putzen und die Pflichtveranstaltung versuche ich so kurz und effizient wie möglich zu gestalten. Damit ich mit der "herausgearbeiten" Zeit bei tichyseinblick.de vorbeischauen kann. Nicht bei der Online-Veranstaltung der Bundespressekonferenz. Die spielt auf dem Niveau des Putzens für mich. Yeap.

 

Frage 11 NICHT INTERNET, SONDERN ONLINE - JETZT KOMMT DER EINSTIEG ZUR PSYCHOSCHIENE

tuebingen frage11

 

Wenn die täglichen Verpflichtungen bei mir Langeweile auslösen, warum nicht? Ich muss mir ja nicht die öden Bundestagssitzungen online angucken. Wenn ich meinen vielfältigen Gedanken nachgehen möchte und in einer fremden Stadt für 6 Monate wohne, dann treffe ich meine "virtuellen" Freunde zum Beispiel über Skype. Jo mei. Gesicht und Sprache ist allemal besser als nur der Quäkton aus dem IP-Telefon. Reim dich oder ich fresse dich. Und wenn ich dauerhaften Stress mit meinem Arbeitgeber hätte (hätte!), dann würde ich auch ins WWW entfleuchen. Bekanntermaßen hat ein Arbeitnehmer mit 63 Lebensjahren keine Verhandlungsoptionen mehr. Da muss ich ja nicht ständig meine Mitmenschen zuquatschen und deren Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht gibt es Gleichgesinnte dort im WWW. Wer nicht alleine ist, fühlt sich besser. Sehen wir doch beim Bundestag. Die müssen ihre Gruppe immer mehr vergrößern, um sich nicht dem Motto "Kevin - allein zu Hause" hingeben zu müssen. Oder wie oder was?

 

Frage 12 NICHT INTERNET, SONDERN ONLINE - AH JETZT KOMMT DER PSYCHODREH - SCHRITT 1

tuebingen frage12

 

Na klar, wenn ich mich nach einer 60 minütigen Verspätung der Deutschen Bahn frustriert nach Hause schleppe und meine Partnerin nicht da ist, dann suche ich Zerstreuung. Dann werfe ich mein Kindle an und durchstöbere meine Bibliothek. Schwupps, bin ich eventuell online, weil Amazon die KindleBibliothek aktualisiert? Oder offline im Online-Zustand? Was denn nun? Hilfäääää! Wäre ein Papierbuch besser? Hallo, hat jemand bei der Frage nachgedacht?


Frage 13 AH, HIER TAUCHT DAS INTERNET AUF - DIE SELBSTHILFEGRUPPE DER THERAPEUTEN FÄHRT SCHWERES GESCHÜTZ AUF - OBACHT - HAUSHALTSSICHERUNG

tuebingen frage13

 

Klar doch. Da widerspricht keiner und ich kann mal schnell xkcd.com und Randall Munroe durchstöbern. Widersprüchliches, Nervendes umkurve ich und suche mir einen alten lustigen Film aus zum Angucken. Ich kann ja nicht jeden, der mir analog über den Weg läuft, sofort mit meinen Sorgen bewerfen und dessen Stimmung töten wollen. Außerdem gehört es zum Pflichtenheft eines Erwachsenen, bei Sorgen eine sachliche Abwägung durch Informationseinholung anzustreben. Den Arzt kann ich nicht mehr befragen, der macht um 19 Uhr Feierabend oder hat erst in 6 Monaten einen Sitzungstermin (hic sic) frei. Und bekäme bei Beratung kaum Kodier- und Abrechnungspunkte. Offline soll ich meine Lebensgefährtin zutexten? Leutchen, der Weg mit vielen Schritten zur Eigenhilfe ist kein schlechter Weg. Ganz im Gegenteil.

 

Frage 14 AH, HIER TAUCHT DAS INTERNET AUF - DIE THERAPEUTENKLAPPE SCHLÄGT ZU - ZISCH

tuebingen frage14

 

Ich bin echt gereizt, wenn die privat wichtigen Mails, auf welche ich ruhelos warte, nicht abrufen kann, weil mein Provider technisch abgekackt ist und keinerlei Datenpäckchen versenden kann. Abgesehen davon, mich beunruhigt es nicht, auf der Bahnstrecke Koblenz - Düsseldorf jede Menge toter und unlustiger Mobilfunkmasten erleben zu müssen. Für die Nichtnutzung sorgen schon die Anlagenbetreiber. Und ja, ich werde unruhig, wenn die Sicherheitsupdates von Microsoft nicht heruntergeladen werden können. Und ja, ich bin frustriert, wenn ich einen interessenten Kabarettbeitrag vom ORF nicht angucken kann, weil die UrheberrechtsDatenSperre mir das verbietet. Diese ver)§"?OO IP-Sperre des ORF.

 

Quizergebnis des ersten Durchlaufes, das betrifft nicht den Testdurchlauf mit meinen 14 Kommentaren wie oben. Nein, nein, der erste Durchlauf war so ein "Gefühlsdurchlauf". Darauf zielt der Selbsttest auch ab. Emotionen.

tuebingen auswertung

 

Ich habe beim ersten Durchlauf 10 Mal das Kriterium <manchmal> angehäkelt, 2 Mal das Kriterium <Häufig> und 2 Mal das Kriterium <nie>. Das ergibt dann 40 Punkte. Und ich gehöre zu den Gefährdeten. Von <nie> bis <häufig> sind die Bewertungen mit für <nie> 1 Punkt bis <sehr häufig> 5 Punkte aufgeführt. Warum erhält <nie> eigentlich 1 Punkt? Egal, ich bin gefährdet. 

Patsch, bumm. Knockout.

Wem möchten die Quiz-Verantwortlichen jetzt die Erschrockenen zuführen? Zur Therapie. Beim Internettherapeuten vielleicht? Und warum? Gibt es Geld? Kann Internetsucht abgerechnet werden? Gibt es irgendwas in den DRG Regeln, was bare Münze verspricht? Lockt da was? Gibt es da Vermittlungsprozente? Neudeutsch Pauschalen zur Gefahrverringerung vielleicht? Kommt bestimmt bald in den Leistungskatalog rein?

Klar doch. Gibt es.

Ich wackle forsch (jetzt ist ja alles egal, ich bin ja gefährdet und jetzt will ich alles wissen) zu ID-DIACOS Online. Und siehe da, da kommt das folgende Bildchen raus. Es gibt eine Kodierung, wie geil ist das denn.

 

F63.8 Internetsucht.

 

iddiacosonlinedarstellung

 

Patsch, bumm. Blackout.

Und in der ID-Diacos Software 2017 (Release Januar 2017) erscheinen folgende Stichworte neben! der Internetsucht

---> Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
---> Pornographiesucht
---> Störung der Impulskontrolle mit intermittierend auftretender Reizbarkeit
---> Störung des Sozialverhaltens mit Zwangscharakter
---> Poriomanie
---> Störung mit intermittierend auftretender Reizbarkeit

Da weht der Wind her. Mmmmmmh.

Mit einem unscharfen Begriff und unscharfen Fragen basteln sich Zwerge der Befragungsbogentechnik irgendwas knödeliges zusammen, um einen Großteil der Bevölkerung vorsätzlich und unbegründet "krank zu machen". Pathologisieren nennt man das auch. Näheres zum pathologosieren gibt es hier zum Nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Pathologisierung . 04.01.2017 17Uhr55 Änderung Artikel Wikipedia

Pfui Deibel.

Auch hier der Wahn der Zeit. Intensiv viele inhaltsbeliebige/inhaltsunscharfe Kategorien basteln. Dann die Leute reinschmeißen. Und dann maßregeln. Oder um sie zu behandeln. Wie bei den Flüchtlingen. Heute zählt nicht mehr der Name des arabischen Flüchtlings, heute zählt die zugewiesene Kategorie. Rein mit und fertig wird die Laube.

Pfui Deibel.

Schlussendlich offenbart dieser Fragebogen mit der Signatur des Universitätsklinikums Tübingen und finanzieller Förderung? des Bundesministeriums für Gesundheit der BRD eine vorgefasste Sichtweise des Themas Internetsucht, indem diese Labberfragen gestellt werden und eine vorgeblich seriöse "Empfehlung" am Ende des Quizzes "ausgespuckt" wird. Da muss offensichtlich eine Ministeriumsvorgabe erfüllt werden, auf Teufel komm raus. Und warum? Weil der von innen heraus handelnde, neugierige [ Neugier gehört zum Wesen des Menschen, das immerhin bestreitet nicht mal Prof. Dr. Manfred Spitzer 4 ]  Bürger aus dem Dirigierbereich der "Hoheiten" zu entschwinden droht? Das Wesen des intrinsischen 3 fordern die Bildungsstrategen doch immerfort von uns. Och männo, was machen wir Bürger denn schon wieder falsch? Sind wir etwa ungehorsam?

Tja, da läuft was aus dem Ruder. Mit dem Bürger.

Übrigens schleicht das "Internet" unaufhaltsam zu uns. In Form von beispielsweise quakenden Kühlschränken, mitteilungsbedürftigen Kaffeemaschinen oder gar befehlsfordernden Heizungsanlagen. Internet of Things. Das ultimative Ding der Zukunft. Nicht nur Fernmedizin über das Internet wird fortentwickelt. Jaja, juchzt das alte Zirkuspferd. Wir müssen nicht mehr "ins Internet", wir werden langsam aber sicher Bestandteil desselben. Es kommt näher. Immer näher. Wo doch schon die modernen Fernseher Kontakt zu uns aufnehmen. Menschenskind, da isses. Das Internet.

Und jetzt, was machen jetzt Fragebogen-Nichts-Könner? Was jetzt? Was pseudo-erfragen Fragebogen-Nichts-Könner das nächste Mal?

Wenn es soweit gekommen ist und wir Bestandteil des Internets geworden sind, könnten Fragebogen-Nichts-Könner das ganz sein lassen. Dann könnten die Daten direkt aus der Amazon-Elastic-Cloud rausgezogen werden. Dafür gibt es dann aber keine Fördergelder mehr. Den Datenbankanruf kriegen die Leutchen aus dem Ministerium mit ein paar IT-Schergen selber hin. Ein Abfrage-Beispiel entsprechend dem aktuellen Online-Fragebogen:

SELECT T1.blablubb, T2.bliblabb
FROM intsitzung T1, intoffline T2
WHERE T1.zeit.manchmal = T2.kont.depr

Dann ist Schluss mit Fördergeldabgreifen und Penunzeanhäufen für NIX und WIEDER NIX. Da säuft die hauseigene Veröffentlichungsquote völlig ab. Sowohl inhaltlich als auch quantitativ. Buhuhhhhh, das Fördergespenst entschwindet. Buhuhhhhh, wech iss es. 

Und wenn dann mal ein differenzierterer Fragebogen zur Frage des "Gebrauches von Onlinediensten" erstellt würde [ von Profis erstellt ], sähe eine mögliche Mini-Abfrage so aus wie die hier: 

SELECT T1.alter, T2.timecode
FROM wwwnutzung T1, spielenutzung T2
WHERE T1.zeit.stunden = T2.ziel.addr.ipv6

 

Verärgerte und pampige Grüße aus der Provinz an die Habe-erfolgreich-Originaltest-Kopiert-ohne-Nachzudenken Ersteller.

Und noch ein Senftröpfchen zum Schluß: Kopier ich allzu willig allzuviele Byte, bin ich alsbald besonders breit*. 

 

Update für den Selbsttest [Quiz]

Statt der Begriffe Internet, Internetsitzung, Internetnutzung könnte ich auch das Wort Auto oder das Wort Fernsehkonsum oder das Wort Liebesbeziehung in die Quizfragen einsetzen. Und immer kämen wir mit den Labberfragen bei F63.8 raus. Wie praktisch! 

sciencefiles.org hat sich auch über diesen Selbsttest ausgelassen. Gerne hier der Link 7 .

 

 

1 Link führt zu Wikipedia Artikel Änderung 04.01.2017 11Uhr03

2 Link führt zu PDF-Dokument Wandel+Goltermann www.wg.com Guide to data communications protocol decodes v.3

3 Link führt zu Wikipedia Artikel Änderung 21.04.2016 19Uhr18

4 Link führt zu Wikipedia Artikel Änderung 22.01.2017 21Uhr00

5 Link führt zum Anglerangebot von angelsport.de und zum Baleno Watstiefel TEXOFLEX im Angebot

6 Link führt zu tierchenwelt.de und hier zum Artikel über Lemminge

7 Link führt zu sciencefiles.org.  https://sciencefiles.org/2017/02/06/ein-volk-der-gestoerten-sie-sind-suechtig-sie-muessen-in-eine-therapie/

* Breit = umgangssprachlich = dem Koma ähnlicher Zustand nach zu intensivem Alkohol-/Drogen Genuss.

Thema Internetsucht Universitätsklinikum Tübingen


 

 

Tags: Bildungsapathie, BildungsMurmeln

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