Wochenabriss + Bilderrahmen für ganz Schlichte [Update1][Update2]

Verfasst von Thomas am .


22.02.2017 Fast schon frühlingshafte Temperaturen begrüßen den Mittwoch Morgen. Der 06Uhr05 IC-Stahlwurm harrt um 5Uhr44 an Bahnsteig 5 der reisewilligen Fleischpäckchen. Ich überwinde erfolgreich die teildefekte Zisch-Puff-Abteiltüre, welche beharrlich das Zurückschieben erschwert, und finde ohne Probleme ein Plätzchen. FastStille begrüßt mich, zart unterlegt vom  Strömungsgeräusch der Belüftungsanlage. Wowh, die fluoreszierenden Reservierungsanzeigen verkünden echte Start- und Zielorte. Well done Reservierungscomputerchen. Pünktlich verlassen wir den Bahnhof.   

Die Rückfahrt mit dem 17Uhr48 IC-Stahlwurm verzögert sich um angekündigte 10 Minuten? Der Verspätungsalarm der DB landet im Mailkörbchen und informiert. Die Temperatur hat einen richtigen Sturz Richtung 0 Grad hingelegt. Auf dem Bahnsteigdoppel 15/16 des HBf Düsseldorf bläst ein eisiges Windchen. Brizzel. Es werden dann 5 Minütchen Verspätung und der Zugverband rumpelt in der angekündigten umgekehrten Wagenreihung ein. Los geht es. Kurz vor Köln vergammeln wir ein bisschen Zeit auf den Gleisen und können uns ein gut beleuchtetes Parkhaus genauer betrachten. Autos zählen, Leuchtstoffröhren zählen. Ursache? Vermag der Zugmanager nicht zu erklären, da ihm keine detaillierten Informationen rübergereicht wurden vom Bahnhofsmanger Köln. Naja. Durchaus ein entspannender Zeitvertreib, das Zählen von Gegenständen, oder? Für die Zähleritis dürfen wir 10 Minuten verballern. Immerhin, den HBf Köln erreichen wir auch mal und nach kurzem Aufenthalt raupen wir weiter. Aktueller Stand plus 15 Minuten, gemessen ab dem HBf Köln.

Fahrausweise werden auf dieser Fahrt nicht gecheckt. Kein einziges Zweibeiner-Kontrolleurs-Wesen zu sehen. Seit Düsseldorf. Aufgeholt wird auf dem Streckenabschnitt Köln - Koblenz nix mehr. Gaspedal weggeflogen oder gibt es strenge Auflagen des Eisenbahnbundesamtes, keinesfalls die Gleisanlagen wahlweise Zugantriebe über Gebühr zu strapazieren? Ich werde es nie erfahren.

Lost in Non-Information-Country Germany. Was meckere ich auch rum, wir sind doch eher bekannt als "Tuschel-Mauschel-Flüster-Ich-bin-stolz-ich-weiß-was-mehr" -Bewohner der BRD. Oder wie oder was? 

01.03.2017 Es regnet nicht. Sehr schön. Ein Parkplätzchen hinter dem Koblenzer Hauptbahnhof in der kostenfreien Zone findet sich heute Morgen auch. Der bewährte IC-Stahlwurm mit Abfahrtszeit 06Uhr05 rumpelt um 5Uhr50 an den Bahnsteig Nummero 5 heran. Waggon 4 wurde wieder mal in rustikalem Zustand beim Toilettenkabinchen hinterlassen. An den Reservierungskartenhaltern, welche an die Waggonscheiben geklebt sind, befinden sich heute hübsche Express-Reservierungs-Hinweis-Schildchen. Ohjemineh, die Reservierungsdiskette hat mal wieder nicht den Weg zum Reservierungscomputerchen gefunden. Ich spitze die Ohren. Konzentriere mich. Und kann dennoch das Schluchzen des Reservierungscomputerchens nicht hören. Mmmmmh. Keine weiteren Auffälligkeiten und pünktlich rauschen wir nach einer Motivationsdurchsage des Zugchefs/Lokführers aus dem Bahnhof hinaus. In die große weite Welt. Wir erreichen zur angekündigten Zeit den HBf Düsseldorf. Im Untergeschoss des Bahnhofs kämpft der lokalen U-Bahnbetreiber mit den Folgen einer nicht näher bezeichneten Störung. Aber immerhin schubst sich was auf den Gleisen umeinander. Ich will jetzt nicht meckern. Es geht voran.

Die Rückfahrt mit dem um 17Uhr48 aus Düsseldorf abdampfenden IC-Stahlwurm beginnt pünktlich. Ich vermisse immer mehr den IC2-Doppelstöcker. Ich will auch mal wieder mit modernem Gerät  und der schon in der Konstruktionsumsetzung weggefallenen Fleischpäckchen-Bistro-Zentralversorgung über die Gleise huschen. Wann werde ich mal die im letzten Jahr angekündigten Speisen-Getränke-Mobil-Teams erleben dürfen? Heute garantiert nicht. Ein bewährter Stahl-Zosse schiebt sich mit mir und fett vielen Fleischpäckchen in Richtung Süden davon. Auf der Strecke wanzen sich satte 10 Verspätungsminütchen an unseren Zug heran. Und bleiben erbarmungslos am Zug kleben. Bis zum Zielbahnhof Koblenz. Bääääh, beppiges Zeuch, diese Verspätungsminütchen.

Kein Pendlerehrennädelchen für den PendlerehrennadelIgel. Der Triggerwert liegt bei 30 Minuten. Nur mal so zur Klarstellung.

Unser bundesdeutscher berlin-gebackene-Reisende Herr Sigmar Gabriel beglückt mich mit den Erkenntnissen aus seinen Reiseerlebnissen. Erwartbar. Wer reist, kann viel erzählen. Am Stammtisch oder beim Kegelabend wahlweise Canasta-Monats-Treffen. Herr Gabriel wählt den großen Rahmen und bewirft mich mit seinen Erkenntnissen aus seiner Estland-Bereisung. Sakrafix, da sind die Äuglein des Reisenden wohl weit aufgegangen. 

Ich werde den Eindruck nicht los, das könnte die bestellte? Begleitmusik für die schmalbandigen Erkenntniswelten der Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel sein. Frau Dr. Merkel hat sich recht lässig über das Thema Datensparsamkeit und die damit verbindbare Entwicklungsfähigkeit der BRD ausgelassen. Ja wie jetzt genau, wo ist das nachzulesen? Hier. 

Ich zitiere aus dem Bericht von netzpolitik.org vom 17.11.2016 Angela Merkels ["Neuland "] Statement im Wortlaut:

<Zitatbeginn>

„Wir haben jetzt auch die entsprechende rechtliche Grundlage, um das Thema Datenschutz, ich habe gehört wir nennen das in Zukunft Datensouveränität, zu bearbeiten. Die Datenschutzgrundverordnung ist eine Verordnung, aber der Minister de Maizière weist immer wieder darauf hin, dass es eine Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe gibt, bei denen wir jetzt aufpassen müssen, dass wir es nicht wieder so restriktiv machen, dass das Big-Data-Management dann doch nicht möglich wird. Insofern wird die nationale Umsetzung nochmal sehr interessant werden und auch die Auslegung dann in den Gerichten.

…wir müssen auch im Bereich der Rechtssetzung und der Rechtssprechung das entsprechende Fachwissen haben, damit die Urteile dann auch entsprechend der neuen Zeit gefällt werden können. Denn das Prinzip der Datensparsamkeit, wie wir es vor vielen Jahren hatten, kann heute nicht die generelle Leitschnur sein für die Entwicklung neuer Produkte.“

<Zitatende>

Genau. Dat muss so. 

Und der berlin-gebackene Reisende baut jetzt mal um diese Aussage ein Bilderrähmchen. Was werden wir noch Reiseberichte geschildert bekommen. Von auch diesem Reisenden. Die Bilderrahmen-Industrie wird in einen ungeahnten Aufschwung geraten. Einen Bilderrahmen-Tsunami geradezu.

War so, wird immer so sein: Mamis Lieblinge hatten es schon immer einfacher [ goldene Kisselchen als Kopfablage auf dem Sofa ], das kommt jetzt nicht vom Hören-Sagen. Oder gar aus Sagen.

Nein. Nein.

Des isch einfach so. Bei diesen beeindruckenden Nutzerzahlen. Die müssen Mamis Lieblinge als entscheidende Zielgruppe im Auge haben.

Im Wahljahr 2017 spielt der intelligente und informierte Teil der möglichen Wählerschaft keine entscheidende Rolle mehr für die Wahlstrategen. Wer spielt keine Rolle mehr für die Wahlstrategen? Frech spreche ich von NON-Facebook-Nutzern, die sich bewusst gegen den eigenen Abverkauf entschieden haben. So nach dem Motto: Ich möchte nicht die zwölfte Variable im Big-Data-Algorithmus sein.

Bullshit, was bitte ist eine Variable?

Tja, das Kapitel lässt sich erschließen.

Nicht wenige Mitmenschen handeln ganz nach dem Motto von Georg Schramm und dem abgewandelten Statement: Ich kann nicht jeden Sch[Zensor]ß verhindern, aber meine Pflicht als mündiger Staatsbürger verlangt jetzt und hier die NICHT-Teilnahme an gewissen Massenveranstaltungen [Scheiß?] von mir. Wer springt auch schon von der Südbrücke in Koblenz, wenn 200 andere Mitmenschen dies tun? Warum? Wieso? Wo ist der tiefere Sinn?

LemmingTime?

03.03.2017 Das von mir vermisste Komforterlebnis des Gleisbeschickers DB scheint immer öfter mal zurückzukehren. Aus dem Teneriffa-/Ibiza- Urlaub. Heute morgen bewohnt der IC-Stahlwurm mit geplanter Abfahrtszeit 06Uhr05 bereits um 05Uhr44 das Gleis an Bahnsteig 5. Heute ohne Waggon 6, aber das ist nichts Ungewöhnliches, dass die Waggons (wahlweise auch mal die Lok) aus Protest keinen Bock mehr haben und dann aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Protest wogegen? Seit wann können/dürfen metallische rollende Objekte protestieren? Protest gegen die übermäßig lange Lebens-Betriebszeit? Protest gegen die nachlässige Instandhaltung? Protest gegen die immer flapsiger auftretenden Fleischpäckchen? Oder deute ich alles falsch und die schlichte Ermattung des Materials führt zur Außerverkehrnahme. Mal sehen, ob es eine Studie der EU geben wird, um dieses Phänomen zu untersuchen. Heutzutage wird ja alles "studiert", um zu erweiterten Erkenntnissen gelangen zu können. Zumindest behauptet wird, dass erweiterte Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Mit einer "Studie". Unabhängig vom Studiensponsor. Natürlich unabhängig.

Streckenstörungen plagen uns heute Morgen nicht. Dafür plagt uns Fleischpäckchen die Waggonbeheizung von Waggon 4. Einfach zu warm. Anfang März 2017 im T-Shirt reisend? Wo verdammt befindet sich das Heizungsstellrad? Vorne beim Lokführer? Oder wohnt die Fernsteuerungssoftware der DB in einer Amazon-Elastic-Plastik-Cloud? Hilfäää, wo jetzt genau?

Die Rückfahrt mit dem 16Uhr44 IC-Stahlwurm ab Düsseldorf beginnt reibungslos. Bis zum Betreten des, ohoh da isses ja, Bistro-Abteils. Brühwarm. Die Bistrotemperatur kesselt vor sich hin. Weit geöffnete Schiebefenster im Verkaufsthekenbereich senken die Raumtemperatur ein bisschen. Prüfend taste ich die unterhalb der Sitztischchen verlaufenden Lochgitter auf Temperatur. Jo, das könnte für ein Teekesselchen-Aufheizen genügen. Erstaunlich, draußen wird es wärmer und im Zug brodelt die Temperatur nach oben. 

Die Gesamtverspätung an diesem Tag ist nicht erwähnenswert. Freu.

Update1

Ob der Weg, das Wahlalter herabzusetzen, von den Wahlstrategen der SPD sowie den Grünen mit der angedachten Zielgruppe der Facebook-Nutzer in Einklang zu bringen ist? Leutchen, da flüchten angeblich die Elemente der Zielgruppe in Scharen ganz woanders hin. Oder stellt das den verzweifelten Versuch dar, den jüngeren Mitmenschen erhöhte Kompetenzen ganz offiziell zuordnen zu wollen? Oder ist das eine schnöde Taktik mit der Herabsetzung des Wahlberechtigungsalters? Um mit allen möglichen Methoden zu verhindern, dass an den Fett-Trögen zukünftig ANDERE agieren? Wer verlässt schon gerne die Kuschelzone?

Haben die Wahlstrategen der SPD sowie den Grünen allzusehr das Leid-Motiv der Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel verinnerlicht, welches schlicht heißt: Alternativlos. 

Meine Interpretation: Es ist Erntezeit und die Bologna-alternativ-Bildungsreform-Reform-Früchte müssen jetzt gepflückt werden. Die Wahlstrategen der SPD sowie der Grünen besteigen die Erntemaschinen und rollen jetzt auf die Kompetenz-Felder wahlweise Kompetenz-Weiden. Brumm, brumm, knister, knaster, mäh. Die Gepflückten sind eventuell ähnlich Tomaten-/Spargel- Gemüsen passiv/widerstandsunfähig/artikulationsunfähig/absolut-desinteressiert? 

Und wenn das gar nix bringt und dann so abläuft wie beim Brexit? Couchpotatoes? und/oder Shoppingrudelnde? und/oder schlicht Desinteressierte haben nach dem Referendum festgestellt, dass sie zahlenmäßig beim Ergebnis unterrepräsentiert waren. Schockschwerenot.

Mal gucken, wie sich das entwickelt.

Update2

05.03.2017 Ach gucke an. Die Medienbereichs-Einkesselung schreitet voran. Das Gespräch in der Papierausgabe des Spiegel Nr.10/2017 mit dem Intendanten des Bayrischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, schleuderte mich ins Delirium. Auf den Seiten 75 - 77 darf ich unter anderem die Forderungen! dieses Herrn lesen. Der Herr lässt sich auch über die Handhabung mit "FakeNews", dem Schlagwort für 2017, aus. Hervorzuheben ist die folgende Textfolge:

Auf Seite 76 rechts oben beinhaltet eine Spiegel-Frage den Text " Sie immunisieren sich gegen jede Kritik, indem Sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Gewährleister der Demokratie erklären....." und die Antwort von Herrn Ulrich Wilhelm beginnt mit " Glauben Sie nicht, dass Journalismus eine höhere Bedeutung für die Demokratie hat?.........".

Wo lebt dieser Mann eigentlich? Das Kuchenschichtmodell der Wertigkeit innerhalb einer Demokratie? Nach dem Motto, erst die Regierung, dann der Journalismus, dann irgendwer, dann mal der Souverän? Derlei kann entspannt nur jemand von sich geben, der dank staatlicher Gebührensteuerungs-Eingriffe keinerlei Einbußen beim Geschäftsmodell zu befürchten hat UND sich im Kuchenschichtmodell der Wertigkeit innerhalb einer Demokratie ganz oben wähnt. Der sich unangreifbar fühlt. 

Auf Seite 77 mittig formuliert Herr Ulrich Wilhelm seine Forderungen nach Bußgeldern für zum Beispiel Social-Media-Unternehmen bei FakeNews oder Duldung/Weiterverbreitung von Beleidigung oder übler Nachrede aus. Millionenstrafen phantasiert er sich zusammen, es muss auf jeden Fall richtig wehtun. Das ist gaaanz billiges Gewäsch, denn Herr Ulrich Wilhelm weiß genau, dass im Falle eines Falles derlei Bußgelder von seinen getreuen/zwangsverpflichteten/nur-durch-Tod-aus-der-Verpflichtung-scheidenden Zahlern getragen würden. Weil die nächste gemeinsame Sitzung der Länder dann eine Erhöhung der Zwangsgebühren einleiten würde. 

Gruselig, wer alles in derlei Positionen herumwabert.

Gruselig, wie demokratiefern, aber weisungshörig.

Der Intendant des bayrischen Rundfunks bereitet den Weg zum Staatsfunk vor? Möchte er etwa den Volks-WorldWideWeb-Empfänger verbasteln? Kombiniert mit der Eingangsmelodie der Tagesschau? Stündlich eine Sendung vom Wahrheitsrundfunk?

Gruselig.

 


Tags: Politwahn, Bahnunwesen, Bildungsapathie

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