hippo attacks xkcd 05.06.2021

Drogen für die Lok + Präsentationsmörder [Update]


08.03.2017 Dauerregen. Um 05Uhr40 steht zu meiner Begeisterung schon der IC-Stahlwurm an Bahnsteig 5 des HBf Koblenz so vor sich hin. Goil. Freiwillig bin ich nicht um diese Uhrzeit am Bahnsteig 5. Aber: Das kostenfreie Parken hinter dem HBf Koblenz fordert seinen Tribut. Wer ab 5Uhr30 noch ein kostenfreies Parkplätzchen ergattern will, muss eventuell sehr lange suchen. Und darf dann reichlich Strecke laufen vom Auto zum Bahnhof. Ich will nicht suchen. Der Wecker ist richtig erschrocken, als ich ihn noch ein bisschen mehr in Richtung Nachtweckzeit gestellt habe. Das frühe Huhn kann fröhlich gackern, wenn Aussicht auf ein kostenfreies Parkplätzchen besteht.

So isses.

Nix wie rein, das misshandelte Toilettenkabinchen in Waggon vier Einstieg Süd übersehe ich wohlwollend. Flauschige Wärme im Großraumwaggon und ein flinker Blick auf die Reservierungsanzeigen bestätigt meine Vermutung: Das Reservierungscomputerchen hat die legendäre Diskette mit den Reservierungskoordinaten erhalten und die Bits and Bytes erfolgreich vermampft. Das Reservierungscomputerchen muss also nicht greinen und weinen. Wunderbar. Die Reiseantrittsstimmung beglückt mich.  Besonderheiten sind auf der morgendlichen Reise bis Düsseldorf HBf nicht zu vermelden. Die lässigen paar Minuten Verspätung gehen wir heute am "was auch immer" vorbei. Der lokale U-Bahnbetreiber hat seinen Kampf mit Widrigkeiten schon hinter sich und das U-Bahn-Schubsen gelingt mit erträglichen Verzögerungen. Na dann.

Die Rückfahrt mit dem 17Uhr48 IC-Stahlwurm steht schon 10 Minuten vor der Abfahrt unter einem unseligen Stern. Zuvor habe ich mich an der Wagenstand-Anzeigetafel an Bahnsteig 16 davon überzeugt, ob dieser Zug immer noch mit der völlig falschen Wagenzahl und somit mit der falschen Gesamtlänge geführt wird. Es hat sich niemand um eine Korrektur gekümmert. Also trabe ich in den B-Bereich, um noch Entscheidungsmöglichkeiten zu haben, wenn das "Biest" hereinrollt. Entweder schiebe ich schnell in den vorderen Zugbereich in die recht oft nicht so dichtbesiedelten 2. Klasse Abteile nach dem 1. Klasse-Einheit. Oder ich schiebe gleich in Richtung Zugende. Das Zugende scheint immer mehr gemieden zu werden von den mitfahrenden Fleischpäckchen. Da gibt es reale Sitzplatzchancen, wenn sich die Zugmitte schon leicht "beult" vor Überbesetzung mit Fleischpäckchen.

Zurück zum unseligen Stern. In der BahnApp erscheint der Warnhinweis, dass der Bonner HBf wegen eines Notarzteinsatzes derzeit komplett gesperrt ist. Angekündigt werden Verspätungen in diesem zentralen Nord-Süd-Streckenbereich der DB von 35 Minuten. Das war es dann mit dem halbwegs pünktlichen Abendessen zu Hause. Ich kalkuliere mit meinem Aufschlag in der Wohnung um 20 Uhr. Empfehlen nicht die Allgemeinärzte immer wieder, das Essen nicht allzu spät einzunehmen und vor allen Dingen mit dem Alkoholgenuss vorsichtig umzugehen? Pfff.

Da schwappt die Un-Versorgung von immer mehr IC-Stahlwürmern schlagartig hoch. Der 17Uhr48 wurde schon 2016 von seinem BistroWaggon befreit, weshalb einige Fleischpäckchen nur noch den 18Uhr27 IC-Stahlwurm ( BistroWaggon noch vorhanden, oho!) besteigen. Ob der BistroWaggon des 17Uhr48 IC-Stahlwurmes wegen Altersschwäche außer Betrieb genommen wurde, weiß ich nicht. Wer teilt mir schon so was mit? Ob der ob der Gleisbeschicker einfach keinen Bock mehr hatte? Ich habe keine Informationen vom Gleisbeschicker erhalten. Und ich kenne auch niemanden, der es wissen könnte. Sakrafix.

Die Reise beginnt, mächtig voller Zug heute. Wir reisen so vor uns hin. Verweilen ein bißchen in der Gleisdrehscheibe Köln. Und setzen die Reise fort. Über die Lautsprecherdurchsagen werden wir über die fortschreitende Entspannung bei der Gleissperrung in Bonn informiert.

Soeben, es ist 19Uhr10, rollt der abonnierte Verspätungsalarm der DB in das Mailkonto rein. Euphorische 25 Minuten Verspätung werden angekündigt auf meine Verbindung. Irgendwer hat der Lok eine weiße Prise serviert und die Stromleitungen müssen glühen. In echt! Denn das wird im Minutentakt immer realistischer mit - Achtung festhalten - einer Unterschreitung! der angekündigten Verspätung. Jesses. Dass Lokomotiven aus dem Pleistozän dermaßen zulegen können! Alle Achtung.

In neudeutsch heißt dieser Gib-Gummi-Lass-Die-Elektro-Sau-raus-Vorgang: Booster. Nicht zu verwechseln mit dem Wimpernbooster, eher vergleichbar mit dem Booster beim Raketenstart Apollo X von Cape Canaveral.

Alle Achtung. Das Material ist am Anschlag. Brumm, brumm, rüttel, vibrier, Windgeräusche. Die Fleischpäckchen verwippen im Takt der Bodenunebenheiten. Großes Kino heute. Allerdings nicht das Fleischpäckchen in der gegenüberliegenden Sitzeinheit. Das Fleischpäckchen bohrt dermaßen intensiv in seinen Nasenlöchern herum, dass ich zwei Mal irritiert hingucke. Hoffentlich hat dieses Fleischpäckchen einen integrierten Bohrschutz in den Fingerchen, sonst sind selbige gänzlich verschwunden und haben eventuell zentrale Hirnfunktionen zerdeppert. Dolchstoss oder so.....

Gelungen, die Verspätungszeit aus der Ankündigung wird tatsächlich unterschritten. Wir landen bei plus 19 Minuten auf die reguläre Fahrtzeit. Alle Achtung. Danke Stahlross, pardon Lokomotive.

Letzthin durfte ich eine Präsentation besuchen. Keine Filmpräsentation, nein, was ganz Ernsthaftes. Eine CRM/CMS Präsentation. CustomerRelationShip/ContentManagementSystem- Präsentation. Irgendwas zusammengeschmurgeltes mit Enterprise-Solutions und dem allgegenwärtig dahinterlauernden Qualitätsmanagement. Brizzel. Buuuh.

Derlei Präsentationen begegne ich mit großem Misstrauen, da die laut kreischenden Vertriebler seit Jahren die Super-Dupa-Software an/in/zu den Kunden zu kloppen versuchen. Das Beste sind die Anzüge der Typen oder wenn selbige nicht vorhanden sind [ die Typen mit dem Bewe-eller-Gel auf dem Schöpfchen ] sind es die Stylings und Duftnoten der Ladies [ könnte auch der Nagellack sein ::) ]. Bohei ohne Ende und hinterher bin ich immer dermaßen erschöpft von der Null-Information, mit welcher ich beschickt worden bin. Puuuh.

Ich lasse mich auch dieses Mal nicht entmutigen und gucke mir also wieder so eine Präsentation an.

Rundum nette Menschen. Echt. Gutes Feeling. Die üblichen unvermeidbaren Selbstdarsteller, die gaaaanz große Fans des - Lass uns doch mal tuscheln, wir wissen das eh schon - Gehabes. Wic[Zensur]s-Wischel-Typen halt. Birne leer, aber 1000 Euro Brillen spazieren führen. Sei es drum.

Hier und heute kam ein Beamer nicht zum Einsatz. Todeslinie 2017 überschritten. Die Beleuchtung ähnelte einer Funzelbeleuchtung. Die vorbereiteten Darstellungsskizzen auf dunkelbraunem Knisterpapier mit einem erschlafften blauen Filzer aufgetragen. Die allseits beliebten Moderationskärtchen in allen Farbschattierungen und dann mit Mikromal-Schrift bestäubt. 

UNLESBAR AUS 4 Korrektur 8 METERN ENTFERNUNG. ALLES VÖLLIG UNLESBAR. KEINE UNTERSTÜTZENDEN EXPOSE-ANALOG-PAPERS. NIX. GAR NIX. SELBSTVERMURMELNDER UNVORBEREITETER MODERATOR. SPRACHLICHE DAUERSCHLEIFE [ jede Kurzerklärung endete mit - gut - ja - was als nächstes - wo ist mein Leitfaden geblieben? ].

UND DIESES UNSÄGLICHE DARSTELLEN DES PDCA-KREISLAUFES [das ist der Plan-Do-Check-Act-Kreislauf, dieser ScientologyHauch für ganz Mutige, die bis heute nicht verinnerlicht haben, das am Ende eines 4-Stufen-Ablauf-Kreises niemals der ursprüngliche Beginn des Kreislaufes mit den Korrekturergebnissen vom eben absolvierten Korrektur-Kreislauf beginnen ḱann. Ich bin der Ansicht, das müsste für die QM-Gläubigen eine Spirale sein. Das wäre sinnvoller. Neuer Startpunkt. Ich kann doch nicht die Anfangsbedingung am Ende der Prozessstruktur bei unerwarteten Act-Ergebnissen eventuell zerstören. Jo mei, wie soll das denn gehen? Da werden QM-Typen doch völlig wahnsinnig. Dann schreien DIE. Hilfäää, wo war mein originaler Ausgangspunkt nochmal? Der ist ja wech. Hilfääää.......Wäre es spiralig, könnten QM-Typen von oben auf den Ursprungsstartpunkt gucken und den soeben neuen und veränderten Startpunkt in der Spirale sicherlich mit einem Blick nach "unten" besser assozieren, oder?]

Wäre ich bloß in die Kneipe um die Ecke gegangen und hätte mir was hinter die Binde gegossen.

Alternativ hätte ich ins Kino gehen können.

Denkbar wäre auch gewesen, einfach in einem Einkaufszentrum herumlungernd die Mitmenschen anzugucken. Mobilspähwart spielen.

Warum nur gibt es das in 2017 noch? 90 Minuten für rein gar nichts.

Der Kaffee war gut, die Mini-Ritter-Sport-Riegelchen reichlich vorhanden. Bagger, schlürf. Alles geht mal vorüber.

Jesses.

 

 

 


 

Tags: Bildungsapathie

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