hippo attacks xkcd 05.06.2021

Tüdel da, tüdel dort, immerfort grummelt es beim Gleisbeschicker


28.08.2017 Dieser Zugverband tritt um 5Uhr50 gemixert an Bahnsteig 5 heran. Er tritt nicht auf, er rumpelt ein. Direkt nach der feuerroten ZischBrummLok ein 1. Klasse-Waggon, es folgt ein 2. Klasse-Waggon, gefolgt von einem weiteren 1. Klasse-Waggon. Yeah. Dieser Zugverband hat im Vorfeld einiges erlebt. Der war auf Abenteuerfahrt.

Die Fahrt nach Düsseldorf wird kein Abenteuer. Weder für den Zugverband noch die mitreisenden Fleischpäckchen. Heute morgen geht alles seinen Gang. Wie es der zahlende Kunde erwartet. Keine Meckereien. Nein. Keine Meckereien.

Die Rückfahrt ziehe ich heute zeitmäßig nach vorne. Das ist jetzt geldmäßig betrachtet kein Freudenerlebnis, da ich meine Tickets online und mit reichlich Vorlauf erwerbe, um den besten Preis erzielen zu können. Aber der um glatte drei Stunden vorgezogene Aufschlag zu Hause hat mich allzufreudig angelächelt. Ich werfe mich in den 14Uhr46 Stahlwurm mit dem Zugzielbahnhof Tübingen. Natürlich steige ich kleiner Wicht zuvor in Koblenz aus. Mit der Wagenreihung hat der Gleisbeschicker es heute wahrlich nicht. Ich bin extra zur Zugspitze gewabert, um einen 2. Klasse-Waggon entern zu können, die Waggonreihung laut Bahnsteigdisplay zeigt die 1. Klasse-Waggons inclusive Bistrowägelchen am Ende des Zuges an. Nix da, alles Pustekuchen. Die eifrigen Bahnmitarbeiter haben die Zugehörigkeit des Waggons mit roter Farbe handschriftlich auf 1. Klasse geändert. Wahrscheinlich ist es den Mitarbeitern des Gleisbeschickers aufgefallen, dass der zweite Waggon nach der Lokomotive schon der Bistrowaggon ist und der kann ja unmöglich ohne zugehörige 1. Klasse-Waggons umherreisen.

Nein, sowas geht jetzt wirklich nicht. Die 1. Klasse nicht fein säuberlich separiert vom mürben Gesellschaftsrest. Gaaanz schlecht für diejenigen der Fleischpäckchen, welche das 1. Klasse-Ticket als mögliches Absetzmanöver vom "Plebs" als Statement ansehen möchten. Da glüht in Folge vielleicht das KundenbeschwerdeManagementSupportBeruhigungsValiumVerteilSystem des Gleisbeschickers. Und die BWL-Löckchen kräuseln sich steil gen Himmel angesichts der Überstunden im Callcenter für Kundenbeschwerden. Das geht wahrlich nicht. 

Und was für ein altgedienter Zosse aus der Riege der 1. Klasse-Waggons das ist. Olalah, das sind die ultrabreiten und sofaähnlichen Sitze mit den legendären Fussstützen, die auch von Flusspferden nicht zertrümmert werden könnten. Welch ein Platz zwischen den Sitzreihen, welch ein Platz. Hilft alles nichts, nicht wenige mitreisende Fleischpäckchen kämpfen sich gegen die von der anderen Abteiltüre uns entgegenstrebenden Fleischpäckchen. Der Bistrowaggon bietet reichlich freie Plätze, die Verkaufsstelle wird aktuell mit Material bestückt und das Verkaufshalbrund ist noch zugetackert.

Mit der Abfahrt aus dem HBf Düsseldorf haben wir schon 8 Minuten Verspätung eingefahren. Immerhin gleiten wir voran. Nach circa 15 Minuten erfolgt ein Halt auf offener Strecke. Die Begründung des Haltes: Der vor uns fahrende Zug hat Verspätung. Wie originell. Wenige Minuten später brodelt neues Unheil heran. Der vor uns fahrende Zug hat Verspätung, weil es eine technische Störung am Zug gibt. Aha! Mittlerweile hat die Bistroverkaufshütte geöffnet und eine zu 61,7% freundliche/38,3 % unfreundliche Mitarbeiterin findet nach Öffnen aller Kühlschranktüren endlich jene Türe, welche ein paar Fläschchen Pils vor neugierigen Augen zu verstecken scheint. 0,33 Ltr Pils des NeutralgetränkHerstellers Bitburger kosten mittlerweile 3,20 Euronen. Her damit.

Beim Erreichen der Rheinbrücke vor dem Kölner HBf notiert die BahnApp offizielle 15 Minuten Verspätung. Offensichtlich sind alle Gleise im HBf Köln belegt und wir genießen die hübsche, sonnenbestrahlte Aussicht auf den Rhein und die Häuserreihen des Kölner Hafens. Realverspätung beim Stillstand des Zuges am zugewiesenen Bahnsteig im HBf Köln: 20 Minuten. Mein geplanter Zeitvorteil durch das vorgezogene Reisen mit genau diesem Stahlwurm schmilzt langsam. Sehr ärgerlich. Ich vermute, die Temperaturen sind die Ursache für die Maschinenüberlastungen beim Gleisbeschicker. So ein Sommer ist ja ein unkalkulierbares Ereignis. Völlig überraschend über das Land kommend. Die mitreisenden Fleischpäckchen irren durch den Zug und scheinen die Reservierungsanzeigen zu bespähen. Da gibt es nichts zu bespähen, das Reservierungsanzeigesystem zeigt lediglich den Standardeintrag --ggfs reserviert -- an. Angeblich ist das System an Bord defekt. Kenner wissen um die wahrscheinlichste Ursache: Die Datendiskette hat den Weg zum Reservierungscomputerchen nicht gefunden. Ganz einfach.

Die umherschwirrenden Fahrkartenkontrolleure zeigen keinerlei Bereitschaft, die Fahrausweise zu kontrollieren. Immerhin fahren wir schon in den HBf Bonn ein. Das würde mich ein bisschen ärgern, wenn keiner meinen wurmstichig-teuren Fahrausweis, auf die Schnelle vor Reiseantritt getickt, sehen möchte. Da bin ich zugegebenermaßen seltsam eingestellt. Wenn schon, denn schon. Aaah, auf der Höhe von Remagen werden die Fahrausweise kontrolliert. Endlich. Wie ordentlich: Der Zangenabdruck mit korrektem Datum auf dem Fahrausweis.  

Wenn ich die seit Abfahrt aus dem HBf Düsseldorf kontinuierlich ansteigende Raumtemperatur im Bistroverkaufswägelchen betrachte, dürfte es irgendwo auf der Strecke nach Tübingen zu einer Schließung des Bistro kommen. Schutz des Personals, wird die Begründung aller Wahrscheinlichkeit nach lauten.

Es heften sich keine weiteren Verspätungsminuten an den Zug.

29.08.2017 Oberpünktlich wartet der IC-Stahlwurm an Bahnsteig 5 auf die zu transportierenden Fleischpäckchen. Immerhin mit sortierter Waggonreihung, wenngleich umgekehrt gereiht. Was soll es, am Gleis spazierengehen kann um 5Uhr45 keinem schaden. Waggon 4 existiert gaanz weit hinten und ich hüpfe rein. Das vertraute Lüftungsanlagenzischen sowie die funktionierenden Reservierungsanzeigen vermitteln einen wertigen Eindruck dieses Betriebsmittels. Welcher beim Einblick in die zwischen den Sitzen montierten und gut mit Restabfall von irgendwann befüllten MiniMülleimerchen relativiert wird. Ich werde den Kopf mit Blick geradeaus bis zu meinem Zielbahnhof Düsseldorf ausrichten, der Blick nach unten zermalmt den Ersteindruck beim Betreten des Waggon 4. Offensichtlich wurden die eingeplanten Reinigungstrupps von der gestrigen Sonnenhitze niedergemäht.

Der Zielbahnhof Düsseldorf wird mit müden 5 Minuten Verspätung erreicht und auch der Waggonschubser im Tiefparterre lässt sich nicht lumpen mit den Bähnchen. Ich kann nahtlos in das nächste Schienengefährt rübergleiten und erreiche pünktlich meine Arbeitsstätte.

Die Rückfahrt trete ich mit dem 17Uhr48 IC-Stahlwurm an. Bereits mit plus 11 Minuten annonciert, schafft dieses Teil es tatsächlich, vor dem 17Uhr58 RE an Bahnsteig 16 heranzugleiten. Die umgekehrte Waggonreihung kommt mir gelegen und im GemischtWaggon für Fleischpäckchen + Fahrräder finde ich ein gemütliches Plätzchen. Und die Waggonschiebefenster im Großraumabteil lassen sich herunterschieben. Keiner hat diese blöden Schweißpunkte gesetzt, um das Öffnen der Schiebefenster zu verhindern. Wunderbar. Olalah, beim Kontrollieren des Bahntickets streichelt der Kontrolleur liebevoll mehrmals das Lesegerät. Es bockt wohl. Beim Einlesen des Barcodes. Er hat es entbockt. Das Gerätchen liest den Code willig ein. Wer und was so alles unter den leicht erhöhten Temperaturen leiden muss!

Bis zum Erreichen des Zielbahnhofes Koblenz wanzen sich keine weiteren Verspätungsminuten mehr an uns heran.

30.08.2017 Uiiih, um 5Uhr39 steht der Stahldampfer bereits an Bahnsteig 5 herum. Ich behaupte, im Jahr 2017 ist das im Orkus der Nachlässigkeiten verschwundene Komforterlebnis der Deutschen Bahn sporadisch wieder im Einsatz. Und was für eine Waggonsammlung der Gleisbeschicker für diesen Zug mit Zielbahnhof Binz zusammengerührt hat. Scholli, scholli. Dieser Zug lässt Revue passieren von all den unterschiedlichen Waggonausführungen, die seit den 60-er Jahren im Dauereinsatz herumrollern. Das individuelle und händische Beschriften einzelner Waggons mit roter Signalfarbe führt mich heute in Waggon 4, der mit derartig verdreckten Scheiben aufwartet, dass man besser gleich in seine Zeitung guckt, um einen Blick in die Welt zu erhaschen. Agathe hilf, dieser Waggon hat schon lange keine Waschanlage mehr gesehen.

Der Fahrkartenkontrolleur pirscht mit militärischer Grundhaltung kurz nach der pünktlichen Abfahrt aus dem HBf Koblenz durch den Waggon. Die Bahncard will er aber nicht sehen. Habe ich eine unsichtbare Bahncard-Aura? Hat irgendwer nachts heimlich auf meine Stirn mit Hogwarts Geheimtinte geschrieben, dass ich eine Bahncard 2. Klasse mit 25 % Automatikrabatt für Fahrkartenerwerbe besitze? Alles ist möglich. Es handelt sich übrigens um einen Ersatz-IC-Stahlwurm, der das Reiseziel Binz im hohen Norden ohne Bistrowaggon bestreiten wird. Immerhin gibt es irgendwo ein Micro-Fahr-Bistro-Wägelchen. Mir tun die Fleischpäckchen jetzt schon leid.  

Mit knappen 10 Minuten wabern wir in den HBf Düsseldorf ein.

Die Rückfahrt trete ich mit dem 14Uhr27 Stahlwurm an, der pünktlich an Bahnsteig 16 einrollt. Im Bistrowaggon gibt es noch freie Plätze und ich ergattere ein 3,20 Euronen Pils der geschmackssuperneutralen Sorte Bitburger.

Bei der Gelegenheit: Was haben Anwälte mit Spermien gemeinsam? Einer von drei Millionen hat die Chance, ein menschliches Wesen zu werden. [ Frisch entnommen der herrlichen US-Serie Better Call Saul Season2 Disc2 ]

Der Justizminister sowie der Innenminister der BRD sind Juristen mit zweitem Staatsexamen. Der Außenminister der BRD kommt aus dem Segment Lehrer. Nur zur Info. 

Diese Fahrt wird von häufigen Miniaufenthalten auf offener Strecke begleitet. Da mal ein paar Minütchen Verspätung, dort mal ein paar Minütchen Verspätung. Mein Gott, es ist aber auch so sommerlich. So eine Sauerei. Dieser Sommer versabbert doch jede GleisbeschickerPünktlichkeitsBilanz. Unverschämtheit. Die reisenden Fleischpäckchen kriseln ob solcher Verspätungen vor sich hin. Denen im Bahntower in Berlin, umfächelt von der Exklusiv-Klima-Anlage [ BWL-Löckchen dürfen nicht überwärmt werden, sonst Kollaps! ] geht das völlig am Arsch vorbei. 

Heul. Warum können die im Bahntower nicht nach Sibirien verschickt werden? Und die Dual-Top-Ausgebildeten den Job endlich professionell managen? Ohne dieses geifrige ExceltabellenJubilieren der B- C- D- oder gar MA - Absolventen? 

Es gibt eben keine höhere korrigierende Macht. All dieses hoffnungsbeladene Gemurmle ist eben blanker Unfug. Dieses Gemurmle von der höheren korrigierenden Macht. 

 

 


Tags: Bahnunwesen

Drucken E-Mail

Auf dieser Webseite werden Cookies auf den Rechner des Websurfers übertragen. Einige sind wichtig für die Optimierung der Nutzererfahrung. Cookie-lose Techniken wie Browser-Fingerprinting helfen Unternehmen, neben der Verbesserung der Nutzererfahrung, individuelle Profile außerhalb der Nachprüfbarkeit des Web-Nutzers zu erstellen.

Eingebundene externe Cookies nach der Zustimmung stammen von

  • google-analytics
  • google-tagmanager
  • jsdelivr.net
  • agora-energiewende.de
  • buzer.de

Ohne Ihre Einwilligung werden einige Funktionen dieser Webseite nicht zur Verfügung stehen.

Beim Anklicken hinterlegter Links in Artikeln werden die vom angesteuerten Link angelieferten Cookie-Meldungsfenster zusätzlich angezeigt.

Mein Impressum. Den Sinn der von der EU durchgesetzten Zwangs-Einverständniserklärung können Sie hier oder hier erlesen. Sie könnten auch Herrn Jan Philipp Albrecht befragen.