hippo attacks xkcd 05.06.2021

Sebastian wirbelt, die Journaille gleitcremt


06.09.2017 Die altersgerechte Bettfluchterscheinung [ komm' steh auf, der Tag muss genutzt werden, was soll das Herumliegen im Bett, carpe diem, das Leben rauscht an dir vorüber ] lässt mich heute morgen schon um 5Uhr30 an Bahnsteig 5 aufschlagen. Der nach Frankfurt/Main rollende IC-Stahlwurm an Bahnsteig 4 weist am Zugende einen 1. Klasse-Waggon mit zwei gesperrten Waggontüren auf der rechten Waggonseite auf. Die Mailaise wird mit mittelgroßen gelben Bepperteilchen im Türbereich signalisiert. Und der umgekehrt gereihte soeben hereinrollende IC-Stahlwurm mit Reiseziel Binz (Ostseeküste) verfügt auch über ein paar gelbe Bepperteilchen im Türbereich. Blitzartig denke ich an Filme mit Aufnahmen aus einem Altersheim. Nur dass es hier im Bahnbetrieb keine Rollatoren gibt oder Fortbewegungshilfen, sondern die mächtigen Stahlgehäuse mal punktuell oder mal flächig recht mitgenommen aussehen. Wie "runtergerittene" Pferde. Gerade noch so bewegungsfähig. Puuuh.

Pünktlich verlassen wir den HBf Koblenz und es wanzen sich bis zum Zielbahnhof Düsseldorf keine Verspätungsminütchen an uns heran. Ja, richtig gelesen: Keine Verspätungsminütchen. Reibungslos kann ich im Tiefparterre des Bahnhofes auf den Rheinbahn-Gleisschubsdienst umsteigen. So sähe ganzjährige Transporttechnik im Idealfall aus. Sollte aussehen. Voll der Hammer, dass derlei PünktlichkeitsErlebnisse bei einem beruflich bedingten PendelFleischpäckchen wie mir fast schon Glücksgefühle auslösen. Wie beim Hamster das Fortbewegen im Laufrad.

08.09.2017 Der um 06Uhr05 geplant aus Koblenz rollende IC-Stahlwurm rauscht schon um 05Uhr40 an Bahnsteig 5 heran. 

Komforterlebnis, ich liebe dich. Bleib uns trotz deiner offiziellen Verrentung beim Gleisbeschicker noch lange erhalten. Wir Fleischpäckchen brauchen dich und wir fühlen uns mächtig wertgeschätzt, wenn du, oh Komforterlebnis, wie aus dem Off heraus dein Rentnerquartier auf Teneriffa verlässt, um uns Fleischpäckchen zu beglücken. Siehst du unsere heiteren Gesichter, wenn du da bist?

Pünktlich verlassen wir den HBf, das Mobilfunknetz zwischen Koblenz und Andernach schläft entweder noch oder ist mal wieder zusammengebrochen. Keine weiteren Vorkommnisse bis zum Einlaufen im HBf Düsseldorf sind zu vermelden.

Die Rückfahrt mit dem geplant um 14Uhr46 ab Düsseldorf startenden IC-Stahlwurm verschiebt sich erst um 5, dann um 10 und schließlich um 15 Minuten. Beim Blick auf das Bahnsteigdisplay blitzen meine Erinnerungsfetzen hoch und ich tippe darauf, dass diese Wagenreihung so nicht stimmen wird. Der Bistrowaggon im hinteren Drittel des Zugverbandes, ein kleines Stückchen vom 1. Klassen-Waggon entfernt, welcher  heute zum Spässken am Ende des Stahlwurms herumwedelt. Ich bleibe mal auf der erahnten Mitte des hereinrödelnden Stahldampfers stehen und harre der Bremswirkung der Lokomotive. Klaro, der Bistrowaggon lungert im vordersten Drittel des Zugverbandes herum. Nö, darauf habe ich heute keinen Bock und erklimme den nächstgelegenen Waggoneinstieg. Aaaaah, ein umetikettierter 1. Klasse-Waggon aus der Nachkriegszeit. Mit jener Ausstattung, die Würde und Platz im Überfluss ausstrahlt, wenngleich mit dem Charme längst vergangener Zeiten. Die Farbenausbleichung der Sitzgarnituren signalisiert, dass die jahrzehntelange Rollerei auf deutschen Gleisen einen Tribut fordert. Auch von Polstergarnituren. Und wieder diese phantastischen Fussstützen, die selbst von schlechtgelaunt schnaubenden Flusspferden nicht zertrümmert werden könnten. Und es gibt sogar freie Plätze. Prima.

Tres chique, tres monteur pardon flaneur. Oder so.

In Köln werde ich von einer Reservierungskartenbesitzerin platzmässig umgebettet. Das kann ich bis heute nicht ausstehen, dass die analogen Papierkärtchen-Reservierungen nur selten angebracht werden, wenn kein digitales Anzeigesystem existiert, aber die Reservierungskärtchenhalterungen an den Waggonscheiben vorhanden sind. Das kann ich wirklich nicht leiden. Kaum umgebettet, quakt es durch das Lautsprecherdurchsagesystem: Ein technischer Defekt im Bistrowaggon führt zur verzögerten Abfahrt und alle Fleischpäckchen werden aufgefordert, den Bistrowaggon aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Nach 20 Minuten beginnen wir, aus dem HBf Köln gen Süden zu rollern. Es wird immer kühler im Waggon. Warum nur? Hat irgendjemand ein Stellrädchen im Zentrallüftungssystem so herumgedreht, dass die zu transportierenden Fleischpäckchen mit der Tieftemperatur konserviert werden sollen? Was geht hier Seltsames ab?
 
Gesamtverspätung beim Halt in Koblenz HBf 40 Minuten. Heute, mein liebes PendlerEhrenNadelIgelchen, muss ich dich aus deinem Körbchen schubsen und dir ein PendlerehrenNädelchen verpassen. Das muss so.

13.09.2017 Wo ist er nur, wo geistert er bloß rum? Die Bahnhofsuhr zeigt 5Uhr40 an und Bahnsteig 5 im HBf Koblenz glänzt durch einen nicht vorhandenen Zug. Diesig windiges Wetter heute morgen. Der IC wird über die Lautsprecherquakeinheit als einrollend angekündigt und es schiebt sich herrschaftlich mählich im Tempo ein ICE-Stahlwurm herein. Und er schiebt sich so heran, hält mal an, verharrt und rollt ein bisschen weiter. Derweil die irritierten Fleischpäckchen auf dem Bahnsteig versuchen, in den Zug reinzukommen. Nichts zu machen. Der ICE steht verschlossen wie eine Muschel da rum, wir Zweibeiner auch. Wie wäre ein aufklärender Text über das Lautsprecherquaksystem? So als professionelle Geste gegenüber dem zahlenden Kunden?  Fehlanzeige. Nachdem der ICE ein paar Minütchen gestanden hat, beginnt er in Richtung Norden gaaanz langsam loszuruckeln. Fährt er ohne uns los, was haben sie vor? Wer dirigiert hier, der Lokführer oder führt der Zug ein Eigenleben? Kurs vor 06Uhr00 steht fest: Der Zug bleibt erst einmal stehen. Das weltberühmte Zischen ertönt und die Türen lassen sich öffnen. Wir rollen pünktlich aus dem Bahnhof raus und rollen pünktlich in den HBf Düsseldorf hinein.

Auf meinem Weg nachmittags zur U-Bahn Station Klemensplatz in DÜ-Kaiserswerth braust und stürmt es vor sich hin. Ich bin mir nicht sicher, ob das bereits der erste Herbststurm mit dem Namen  "Sebastian" ist. 30 Minuten später weiß ich: Jetzt hat Sebastian zugeschlagen. Heftig. Die gesamte U-Bahn-Verbindung der Linien U79 zwischen Düsseldorf und Duisburg ist "gestorben". Ein Baum hat sich in die Oberleitung geworfen und nun fahren auf dieser Strecke keine U-Bahnen. Weder nach noch von Düsseldorf. Der Betreiber der lokalen Gleisbeschickung, die Rheinbahn, verkündet über das HaltestellenLautsprecherDurchsageSystem, dass die Störung ungefähr 3 Stunden anhalten wird. Yeap, die gebuchte Bahnverbindung ist damit erst Mal gestorben. Ich komme ja nicht mal zum Hauptbahnhof. Ade, du 15Uhr27 ICE-Stahlwurm bis nach Köln und ade, du 15Uhr53 IC-Stahlwurm bis nach Koblenz.

Ein Blick in die BahnApp zeigt einen gruseligen Zustand beim bundesweiten Gleisbeschicker. Der 15Uhr53 IC-Stahlwurm aus meiner gebuchten Verbindung hat sich verabschiedet. Ab Köln sollte jener IC rollern. Nix ist mit rollern. Ich muss mal die anderen Möglichkeiten bespähen. Der um 16Uhr27 theoretisch ab Düsseldorf abrollende IC-Stahlwurm glänzt mit 90 Minuten Verspätung. Der nächstmögliche IC um 17Uhr48 entfällt ebenfalls komplett. Also bleibt mir nur das Ausweichen auf den Grusel-RE. Gruselig. Es ist 15Uhr20.

Ich kapere ein Taxi und möchte zur U-Bahnhaltestelle hinter der Baumleitungsstörung gebracht werden. Dann könnte ich eine U-78, von Düsseldorf-Arena kommend, erreichen, die mich zum HBf bringt. Auf der Höhe der besagten Haltestelle entscheide ich spontan, gleich den HBf mit dem Taxi anzusteuern. Um dann dem gerade aus dem Bahnhof schleichenden Grusel-RE 5 hinterhergucken zu dürfen. Bullshit, da haben mir zwei Minütchen gefehlt, um den zu erreichen. Um die Gleisdrehscheibe Köln zu erreichen, werfe ich mich in den 16Uhr39 RE. Und um 17Uhr32 rumpelt der RE aus Düsseldorf (Abfahrtszeit 16Uhr58) herein, mit dem ich dann mein Ziel mit weiteren 10 Minuten Verspätung, eingesammelt auf der Strecke von Köln nach Koblenz, um 18Uhr52 erreiche.

Toller Nachmittag. Start 14Uhr30. Ankunft 18Uhr52. Statt 2 Stunden 15 Minuten heute 4 Stunden 22 Minuten. Die Auswirkungen von Sebastian und in Oberleitungen gekippten Bäumen. Wahlweise auf Gleise gekippten Bäumen. Offiziell keine Lokomotivendefekte, keine Störungen an Bahnübergängen und kein Einsatz der Feuerwehr am Gleis. Wenigstens bin ich von den ganzjährig eingesetzten üblichen Störungstextbausteinen verschont geblieben. Horrido.

Im derzeitigen Angela-Merkel-Lieb-Vaterland-magst-ruhig-sein-schlaf-weiter-bis-zum-Koma-Land ist das eine willkommene klitzekleine Abwechslung wenigstens von Inhalten. Wenn schon keine Abwechslung bei den großen Inhalten ( alternativer Wahlomat von sciencefiles ), so doch eine Abwechslung bei den kleinen Inhalten.

Genügsamkeit 2017. Der Bürger Wiedemann ist erschöpft und eine Veränderung der politischen Landschaft ist leider nicht in Sicht. Eigentlich bräuchten wir viel mehr Sebastian übers Jahr. So ein Herbststurm ist ein eigenständiges Gewächs. Also das Gegenteil der derzeit anzutreffenden politischen LandschaftsLeichenpfleger, oder etwa nicht?     

Tja, mein liebes PendlerEhrenNädelchenIgelchen, dich muss ich heute aus dem Körbchen schubsen und bepieksen. Irgendwann werden wir zum Bundespräsi eingeladen und präsentieren uns stolz. Du bepiekst und ich als pendelndes Gleisbeschickeropfer.


14.09.2017 Ich habe nichts zu vermelden über die Hinfahrt. Ich befürchte, ich werde langsam tüdelig. Mechanisch Einsteigen, Platz nehmen, auspacken. Irgendwie geht immer ein bißchen was. Auf den Gleisen herumrollern. Film auf Notebook gucken [ Steve Jobs mit Michael Fassbender zum x-ten Mal, ich finde den Film einfach klasse ]. Kaffee schlürfen und Blutwurstbrote mit Biotomätchen mampfen, damit der Wahnsinn aus dem Kopf nicht durch das Grummeln eines leeren Bauches gestört wird.

Alles seltsam.
 
Der um 13Uhr53 ab Köln startende IC-Stahlwurm vermeldet 10 Minuten Verspätung. Allemal besser als die Tatsache, dass die Fahrt komplett ausfällt. Bis Bonn schaukeln wir uns störungsfrei auf den Gleisen voran. Aus dem HBf Bonn rollen wir raus und nach wenigen Minuten erfolgt ein ruppiger Haltevorgang auf offener Strecke. Das Lautsprecherdurchsagesystem verkündet, dass die Lokomotive einen technischen Ausfall hat und der Lokführer selbigen jetzt beheben wird. Es ruckelt schwer im Gebälk des ganzes Zuges und nach wenigen Minuten schleichen wir gemächlich los.  Juhuuuh, es geht voran. Und, echt, ich erreiche den Zielbahnhof Koblenz ohne einen weiteren Aufschlag bei den Verspätungsminuten.

Die von mir immer häufiger als Gleitcremebranche empfundene Presse [ für einige bisher renommierte Exemplare trifft die Bezeichnung Journaille 1 zu ] wirbelt vor sich hin. Jetzt haben sich manche Schreiberlinge aus der Gleitcremebranche auf die, mir zugegebenermaßen total unsympathische, Frau A. Weidel [ finanziell wohlversorgte AfD-Vertreterin mit Wohnsitz in der Schweiz ] eingeschossen. Gefahr droht. Das Abendland geht unter. Schwarzgeldumgebung? Steuerzahlungsvorenthaltung? 

Jo mei. Des isch super goil. So ebbes braucht der umherschlurfende Leser. Des isch a Hammer. Wahnsinn. Und so passend kurz vor der Bundestagswahl.

Erinnert sich jemand an Otto Graf Lambsdorff [ gestorben 05.12.2009 ] aus der gelben Partei [ formerly known as FDP ], die ja gar nichts mehr mit der FDP des Herrn Lindner zu tun hat?

Die neue FDP hat auch gar nix mit den Schulden der alten FDP zu tun. Nö, nö, niemals könnte das sein.

Erinnert sich jemand an Herrn Helmut Kohl? Was war da noch genau abgelaufen?

 

Gleitcreme überall? Einlullung nach dem Motto - Friss, sauf, habe Spass, geh doch einfach öfter mal fi [ Zensur ] ...n, wir machen den Rest. Die Römer waren übrigens früher dran:  panem et circences

Römer? War da mal was? Echt?

Ach so.

Untergegangen. Weggewischelt.

 

 

1 Link führt zu Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Journaille


Tags: Politwahn, Bildungsapathie

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