hippo attacks xkcd 05.06.2021

Ministeriumsschreier + Bolognabakterien schwappen in Mainz herum?


01.12.2017 Welch Wallung der Westerwald auslösen kann. Nein, nicht der Wald selbst erzeugt die Wallung. Die Wallung erzeugt das in Westerburg beheimatete BerufsBildungsZentrum, kurz BBS. Warum, wieso? Deren Schüler absolvieren das Abitur mit eigenen Notebooks. Seit immerhin 13 Jahren. Derlei Vorgehen bei den Abitursprüfungen findet das zuständige Bildungsministerium unzulässig. Stichworte sind bei den empörten? Ministeriumsvertretern reflexartig - Pfuschen, Spicken etc -.

Immerhin sind ausgewiesene Spezialisten des Bildungsministeriums nach der langen Vorlaufzeit? von 13 Jahren auf dieses "ungehörige" Verfahren gestoßen. Und das in Rheinland-Pfalz! Oweh.

Sei es drum, Anlaufzeit mit höchst breit gefassten Zeitvariablen gilt in meinen Augen bei manchen Ministerien als Qualitätsmerkmal. Vielleicht das Kriterium "Schaun wer mal, mal gucken und so..."  oder "Bloß ned hudle, gut Ding muss Weile haben....". Hier die Berichterstattung von dasding.de und auch heise online berichtete. Das lokale BuchstabenAneinanderReih-Blättchen rhein-zeitung.de möchte ich hier verlinken, allerdings patscht der Verlinkte auf die Paywall der Rhein-Zeitung. Sollte dem Verlinkten der Artikel 49 Cent wert sein, kann er ja zuschlagen.

Wer auf die Webseite des BBS schwebt, wird sich wundern, wie engagiert diese Schule agiert. Abgebrühte Internetnutzer bekommen vielleicht einen Schreck, wenn sie auf eine Moodle-Plattform treffen und bei leichter Recherchetätigkeit findet sich manch interessanter Link. Mir gefallen sehr gut die transparente Darstellung der Organisation sowie die Darstellung der Unterrichtsorganisation.

Bei dem PDF-Dokument, erhältlich unter dem Link Unterrichtsorganisaton, findet sich auf Seite 12 die Darstellung mit den 3 durchgestrichenen Bildmotiven - Lehrer - Aufbereiten von Inhalten - Unterrichten der Inhalte. [ das verpönte alte Modell des Frontalunterrichtes wird hier dargestellt ] Unterhalb dieser 3 Bildmotive befindet sich die im BBS praktizierte Form des Unterrichtes ebenfalls mit 3 Bildmotiven - Schüler - Aufbereiten von Inhalten - Selbst organisiertes Lernen.

Aha. Der Lehrer ist weggeflogen. Über Lehrer werden zuweilen schlimme Sachen geschrieben.

Oweh. Nach dem selbst organisierten Lernen [ einer beliebten Form von diversen privaten Bildungsträgern im Hinblick auf Kostenoptimierung ] findet keine Validierung der in Gruppenarbeit erschlossenen Inhalte statt?

Damit bin ich nicht einverstanden. Lehrer - Unterrichten der Inhalte - Schüler - Aufbereiten von Inhalten - Selbst organisiertes Lernen - Validierung der Lerninhalte mit Lehrer zusammen - . So stelle ich mir das vor.

Die Inhaltegestalter dieses PDF-Dokumentes zeigen auf Seite 13 eine flotte Figurenaufreihung [ Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfiguren mit satellitenschüsselähnlichen Tellern am Unterteil ] und alles sieht so cool aus. Die Lehrkraft als Begleiter der Lerngruppe, das favorisierte Modell modernen Unterrichtes. Die Lehrkraft, bewaffnet mit Moderatorenkoffer, um mit dem reichhaltig bestückten Katalog der Lernmethoden den eigentlichen Stoff in allen Facetten spielerisch-kumpelhaft-lässig zur Zielgruppe zu bringen. Der heilige Gott, geschaffen damals bei diesem Kaffeekränzchen in Bologna und implantiert mit tatkräftiger Hilfe der OECD. Jenen Bastelspezialisten, die mit PISA ganze Nationen in Wallung gebracht haben, bis auch die OECD Spezialisten beim Messen der falschen Parameter in Finnland völlig auf die "Schnauze" geflogen sind. Hat nur keiner gemerkt. Fast keiner. 

Dieser Art von Unterricht kann ich nur stark eingeschränkte Lernvorteile für die Teilnehmer entnehmen. Inhaltlich stimme ich bei dem Thema - Kompetenzen - der Sichtweise von Jochen Krautz [ Ware Bildung: Schule und universität unter dem Diktat der Ökonomie ] sowie der Sichtweise von Konrad P. Liessmann [ Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift ] zu. Aber meine Sichtweise hat mit der Betrachtung des Ministeriumsumgangs mit dem BBS erst mal nichts zu tun. 

Nach meinen Erfahrungen werden die Lerninhalte im EDV-Bereich zu sehr auf die schiere Programmanwendung [ Microsoft Office Konditionierung ] sowie das leidige Dauerthema "Internet" reduziert. Den Einsatz von Open-Source Bürosoftware beim BBS laut BBS-Dokumentation bewundere ich bei der Gelegenheit. Sollte das Notebook als nicht mehr wegzudenkendes technisches Begleitmittel in den Nicht-EDV-Fächern strukturiert zur Wissenserschaffung und Erlernen von zum Beispiel Dokumentationsrichtlinien eingesetzt werden, würde ich ein verschärftes Lob in Richtung BBS werfen. Sollte nach dem im BBS aufgeführten selbstorganisierten Lernen die zwingend erforderliche Informationsvalidierung für alle Auszubildenden durch den Lehrer durchgeführt werden, würde ich das nächste Lob zum BBS werfen. 

Für Notebookklassen bedarf es gestandener Lehrer und Dozenten. Der nicht belastungsfähige Lehrer oder Dozent mit integrierter EDV-Angst wird das Abgleiten ganzer Klassen in die Surf-und-Click-Sphäre des Internets nicht verhindern können. Das alte Motto "wird es der Zielgruppe allzu langweilig im Unterricht, beginnen die Fluchtaktionen" führt im Unterricht mit nicht gestandenen Lehrern und Dozenten zur Klickorgie der Auszubildenden in der virtuellen Welt. Garantiert.

Zurück zu den Laptops [ Notebooks ] im Dauereinsatz an der BBS über die gesamte Ausbildungszeit. Warum sollen die Schüler nicht das Abitur mit den eigenen Laptops absolvieren? Glaubt irgend jemand, dass Notebooks für Auszubildende von Ministerien finanziert werden? Never ever. Wenn Ministerien EDV-Komponenten finanzieren, dann die Wischel-Hau-Wech-Geräte: Tablets. Völlig ungeeignet für das Erlernen und eigene Umsetzen von Inhalten sowie das Erstellen von eigenen strukturierten Inhalten. Voll der fette Mainstream. Dafür fließt das Steuerzahlergeld wie der Akazienhonig aus dem heißen Weissmehl-Pfannkuchen. Für das Wischelgerät! Das Wischelgerät hat selbstverständlich ein intellektuelles Mäntel erhalten: Medienkompetenz. Diese Geräte sind in meinen Augen völlig daneben für den regulären Unterrichtseinsatz [ wenige Ausnahmen in besonderen Schulbereichen mag es durchaus geben ].

Drei Jahre haben die Auszubildenden den Umgang mit dem Arbeitsgerät Notebook erlernt. Und bei Prüfungen wird das Arbeitsgerät weggesperrt? Nur weil die oben schon kurz erwähnten Spezialisten aus dem Bildungsministerium spitzfindig auf "Pfusch, Spicken etc " als Gefahr durch Ergebnismanipulation hingewiesen haben? Weil die Ausgangsbedingungen für die Prüflinge nicht gleich verteilt sind? Weil derartige Abitursprüfungen absolut Bäääh-Wäääh sind?

Da könnte ich mich kringeln. Welch hohler Anwurf! Die Bedingungen für Abitursprüfungen waren noch nie für alle gleichwertig. Noch nie.

Zuweilen gehen sogar Mathematikprüfungen völlig in die Hose, wobei, hier ist es ein Ereignis aus dem Dauerpflegefall im Bildungswesen. Berlin halt. 

Für Betrachter, die lediglich die physikalische Gleichwertigkeit der Ausgangsbedingungen und Durchführungsbedingungen für die Prüflinge im Prüfraum als Kriterienkatalog herbeinehmen [ getrennte zuvor auf der Unterseite auf Manipulationsfolien geprüfte Tische, Handys/Smartphones abgenommen, Ohrenkontrolle auf In-Ear-Produkte, Brillenkontrolle auf integrierte Kameras, Taschenrechner nur mit einem von der Schule gestellten Modell, Schreibgeräte von der Schule gestellt, Kontrolle der Unterarme-Handinnenflächen-Bauchunterseiten-Bereiche auf wasserfeste Notizen etc ], mag der Einsatz des "unheimlichen" Notebooks eine Ungleichwertigkeit ergeben.

Bei reinen Auswendiglernfächern ( Geschichte, Deutsch, Ethik, Sozialwissenschaften ) in Verbindung mit allzu einfachen Prüffragen könnte sich für den einzelnen Prüfling der Mehrwert erschließen, die technische Sperrung des WLAN-Internetzuganges überwinden zu wollen. Indem er sich beispielsweise in sein Prüfnotebook ein kleines Modem mit Sim-Karte einbastelt. Jetzt weiß ich nicht, ob in Westerburg ein halbwegs attraktiver Mobilfunkzugang zur Verfügung steht, aber derlei "Tricksereien" würde ich schon als Merkmal "Höher qualifiziert" bewerten. Ganz im Sinne von - in dubio pro reo - abgewandelt auf - wer derartig strategisch vorplant, zeigt Innovationswillen -.

Bei technischen Fächern können die Aufgaben zuverlässig individuell gestellt werden, so dass im ganzen großen weiten Internet nicht einmal bei intensiverer Recherche das Ergebnis vom Prüfling während der Prüfzeit gefunden würde. Das nämlich ist die Crux bei Prüfungsaufgaben: Das Alleinstellungsmerkmal in Form einer Aufgabenstellung, die nicht mal schnell vom Prüfer selbst zuvor aus dem großen World-Wide-Web runtergeladen wurde und lediglich ein paar klitzekleine Parameter verändert wurden.

Die Ministeriumsspezialisten wissen in meinen Augen am Allerbesten, wie "bescheiden" Prüfungsaufgaben in vielen Schulen sowie Universitäten derweil erstellt werden, um bei darbendem Lehrkräfte-/Dozenten-Bestand nicht noch zusätzliche Kosten produzieren zu müssen für "individuelle" Prüfungen. Vielleicht treibt die Ministeriumsspezialisten die schiere Furcht um, dass irgendwann einmal der Kochtopfdeckel wegfliegt bei den an vielen Schulen und Universitäten praktizierten Prüfungen (ohne Notebook natürlich, downgeloadete Prüffragen sind auch auf Papier ausdruckbar!). 

Ja ja, das große Thema: Gewünschte Einheitsergebniswerte abfragen oder Fähigkeiten [ hat nix mit Kompetenz 2017 zu tun ] als Basis für das weitere Leben prüfen. Strukturiertes Denken und Lösungsfähigkeit als Basiselemente des selbstbestimmten Bürgers abprüfen oder nur Fragen beantworten, in deren Fragestellung bereits die Lösung "lauert".

Das gaaaaanz große Thema.

Für PISA-Ergegnislisten-Fürchtende ein Alptraum. Ein möglicher Karriere-Blocker für Verantwortliche?

Ich habe nicht den Eindruck, dass am BBS in Westerburg im Westerwald das Flachpfeifenunterrichten praktiziert wird. Ganz im Gegenteil: Der Außeneindruck hat mich schwer beeindruckt.

Das Organigramm des Bildungsministerium Rheinland-Pfalz vermittelt mir den Eindruck, als ob es zu viele Planstellen geben könnte. Verschanzt hinter den Mauern von Paragraphen und fern der Fähigkeit der fachlich Zuständigen, vor der pressewirksamen Schreierei in den Diskurs gehen zu wollen.

BRD 2017. Bildungsministerium Rheinland-Pfalz. Statisch?

BRD 2018. Immer noch statisch?

Eigenentwicklungen im Bildungsbereich?

Mal kein Geld für Tablets?

Glaube ich nicht.

 

 

 

https://www.welt.de/politik/deutschland/article156370855/Diese-Aufgabe-sollen-in-Berlin-Zehntklaessler-loesen.html

https://sciencefiles.org/2017/03/28/paedagogen-luegen-wie-bildungsnachteile-von-jungen-aus-der-welt-geredet-werden-sollen/

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/studium-und-nc-abiturnoten-sind-ungleich-in-deutschland-a-1044518.html

https://www.dasding.de/05-vor-ort/koblenz/Westerburg-Schueler-kaempfen-fuer-Laptop-Abi,westerburg-laptop-streit-video-100.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Rheinland-Pfalz-Streit-ueber-eigene-Laptops-im-Abitur-3904274.html

https://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/westerwald_artikel,-protest-gegen-ministeriumsentscheidung-bbsschueler-kaempfen-um-ihr-laptopabi-_arid,1737453.html

https://bm.rlp.de/fileadmin/bm/Ministerium/OrganigrammBM_151117.pdf

 

 


Tags: Politwahn, Bildungsapathie

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