Gewürze + Genusswelt in Franken [Update]


25.02.2018 Die Reise ging zum Gewürzpapst Ingo Holland und seinem Walhallabetrieb - Altes Gewürzamt - im fränkischen Klingenberg. Endlich mal eine Schnuppertour im kleinen Verkaufsladen starten. Schnuppern, probieren und nicht einfach nach Bauchgefühl im Online-Shop zuschlagen. Zuschlagen im Online-Shop bedeutet hier wahrhaftig nicht, im Regal unten links die "Schnapperle" preismäßig zu erhaschen, sondern echtes Geld in ungewohnten Preisgefilden [ nicht vergleichbar mit Standardgewürzen a la Ostmann etc ] auszugeben.

120 Gramm BBQ-Pork für 14,90 € könnten bei sensiblen Gemütern zum Schluckauf führen.

Könnten.

Werden es aber nicht, denn nach mehrjährigem Gebrauch diverser Gewürzmischungen von Ingo Holland komme ich zu dem Ergebnis, daß nicht nur die geringere Dosierung dieser Gewürzmischungen bei voller Geschmacksentfaltung im Vergleich zu anderen Herstellern auffällt, sondern auch die gaumenfüllende vielschichtige Intensität der Gewürzmischungen beim Wiederaufwärmen von zum Beispiel Rindergulasch, Hackfleischsauce oder Kohlrabi-Kokosnuss-Gemüsen. Meine Erkenntnis: Das Erkochen größerer Mengen und die Wiederaufwärmung [ nach der Aufbewahrung im Gefrierschrank ] beschert mindestens zwei unterschiedliche wunderbare  Geschmackserlebnisse. Well done.

Selbst Ingwer-Möhren-Curry-Gemüse verändert sich beim Wiederaufwärmen im positivsten Sinne. Noch dichter kommt bei diesem Gericht die von mir verwendete Gewürzmischung Curry Jaipur rüber. Allerdings würde ich niemals behaupten wollen, daß die Preisdifferenz von 8 Euronen bei 80 Gramm Curry [ Ostmann<--->Holland ] rechnerisch durch Mindermengeneinsatz der Holland-Mischung "wesentlich kompensierbar" wäre. Das verwegene Unterfangen starte ich gar nicht erst. Gaumenwahrnehmung lässt sich nicht in Excelformate pressen und dann vergleichbar werden. Vielleicht ein bißchen, aber nicht mehr als ein bißchen. 

Klingenberg liegt nur ein paar Kilometerchen von der A3 entfernt und von Klingenberg zur nächstgrößeren Stadt Miltenberg sind es schlappe 20 Minuten Autofahrt. Von Koblenz aus ist Klingenberg in knapp 2 Stunden erreichbar. Schnurstracks die A3 runterbrettern und bei Stockstadt von der Autobahn runterkurbeln, um über die Schnellstraße das Dörfchen Klingenberg zu erreichen. Es ist echt ein Dörfchen. Verwinkelt. Selbst auf der Hauptstraße beim Sparkassenparkplatz strahlte es verschnarcht vor sich hin. Grabesruhe am Samstag um 10 Uhr morgens. 

Der schnuckelige Verkaufsladen des alten Gewürzamtes lädt zum längerem Verweilen ein. Natürlich sind die Regale mit dem ganzen Sortiment vollgeknallt. Vor jeder Gewürzmischung, vor jedem Einzelgewürz sind die Schnupperdosen postiert.

Mmmh!

Öle und Essige werden von superfreundlichen Mitarbeiterinnen zur Verkostung auf Minilöffelchen gereicht. Und es gibt reichlich zum Löffeln.

Unsere Wahl fiel bei den Ölen auf dieses Prachtexemplar. Außergewöhnlich intensiver Olivengeschmack. Flaschenpreis ~ 24 Euronen.

olivenöl holland 2018

 

Bei den Gewürzmischungen konnte ich nicht umhin, etwas in meinen Augen völlig Abgedrehtes zu kaufen. Der Name Thomas Vilgis war mir bis dahin völlig unbekannt. Gekauft habe ich "ERDE". Schaut so aus:

 

thomas vilgis erde 2018

 

Den Begriff - Asafoetida - im Dosenaufdruck von "ERDE" habe ich erst später entdeckt und durfte bei Wikipedia nachlesen: 

"Asantharz wird häufig in Afghanistan, Pakistan, Iran und Indien als Gewürz benutzt, vor allem aber in der indischen Küche. Es ist zudem Bestandteil der Worcestershiresauce. Die Asant-Droge, das gelblich- bis orangebraune Gummiharz „Asa foetida“ (Teufelsdreck), besteht aus 24 bis 65 % Harz, Gummi und 6–16 % ätherischem Öl, welches unter anderem Asaresinotannol, dessen Ferulasäureester und Vanillin enthält. Der Harzanteil ist z. T. für den bitteren, beißenden Geschmack und den sehr unangenehmen Geruch verantwortlich, der sich allerdings bei Verwendung in einen Geruch ähnlich dem von Zwiebeln und Knoblauch ändert. Bereits in der mesopotamischen Heilkunde wurde der Stinkasant bzw. dessen Saft verwendet."

Klingt rasant. Ein Molekularküchentyp werkelt zusammen mit dem Gewürzspezialisten Ingo Holland und heraus kommt "ERDE"? Das wird jetzt ausgetestet im heimischen Brat-Koch-Gar-Bereich. Beim World-Wide-Web-Stöbern bin ich im Zusammenhang mit Thomas Vilgis auf dieses Werk gestoßen. Klingt auch rasant.

Nach dem erfolgreichen Einkauf [ Körbchen reichlich befüllt ] sind wir nach Miltenberg gefahren und haben uns auf Empfehlung in das Gasthaus "Zum Riesen" geschmissen. Toll eingerichtetes gutbürgerliches Gasthaus mit attraktiver Preisgestaltung. Da gab es gar nix zu bemeckern. Weder bei den kleineren Gerichten noch bei den aufwändigeren Hauptgerichten haperte irgendwas. Gute Leistung. Außergewöhnliche nette Servicedamen. Selbstgemachter Schokokuchen, prima Espresso. Von vorne bis hinten eine souveräne Gasthausleistung.

Die erleuchtende Entdeckung in diesem Gasthaus war das Bierangebot. In FAUST-Kräusen hätte ich mich einlegen können. Huuuuuiihhhhh, was ein süffiges Getränk.

 

faust bier 2018

 

 

http://www.edition-vincent-klink.de/de/Home.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Miltenberg

https://de.wikipedia.org/wiki/Asant

https://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Holland

http://www.riesen-miltenberg.de/index.php/de/bierspezialitaeten

http://www.riesen-miltenberg.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_A._Vilgis

https://de.wikipedia.org/wiki/Molekulark%C3%BCche

https://de.wikipedia.org/wiki/Klingenberg_am_Main

https://www.altesgewuerzamt.de/


Tags: Fleischtemperatur

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