hippo attacks xkcd 05.06.2021

Kundenbashing, Hygienedesaster, Dieselpuffen, Starbucksbrühe und Hopfenblut [Aktualisierung]


28.04.2016 Yeap, die Abfahrt mit dem 06Uhr05 HBf Koblenz Intercity, den ich schon um 5Uhr45 betrete, beginnt wieder mit dem Zwiegespräch der besonderen Art: Kontaktaufnahme mit dem Toilettenkabinchen in Waggon vier. Immerhin ist die Türe des Toilettenkabinchens geschlossen. Der mittig angebrachte gelbe Mitteilungszettel verkündet die Unbenutzbarkeit der ZweibeinerEntsorgungsMöglichkeit. Voll verriegelt, kein Nottütchen vor der Türe, kein Hinweisschild, in welche Richtung der Fahrgast ein funktionierendes Toilettenkabinchen finden könnte. Wozu auch? Der gelbe Mitteilungszettel mit identischer Botschaft beppt ebenso am entgegengesetzten Ende des Waggons Nummero vier. Derlei Kontrollgänge finde ich immer ganz spaßig am frühen Morgen, hält fit und verschafft nebenbei einen Gesamteindruck über Waggon Nummero vier. Läuft bei mir unter Orientierungspflicht für die zweibeinigen Fleischpäckchen, welche der StahlKastenVerschiebeBetrieb [ Deutsche Bahn ] gegen Entgelt versucht, von A nach B, eventuell auch nach C, zu verschieben. Wie murmelt der Saarländer dann in seinen Rauschebart hinein? " Ma wäret net, ma wäret net". Hochdeutsch sinngemäß: Man weiss ja nie, was so passiert auf der Strecke mit den eigenen Bedürfnissen und dann ist es ungemein hilfreich, zu wissen, wohin Mann/Frau NICHT zu rennen hat. Der angrenzende Waggon Nummero fünf verfügt über ein begehbares Toilettenkabinchen. Jedoch nur für ganz Hartgesottene. Gaaaanz Hartgesottene. Sieht aus wie die Entsorgungsanstalt nach einem Festival. Hätten die DB-Controller [ gibt es die? ] vor Ort am Besten auch gleich verriegelt. Kotz, Würg.

Überraschenderweise höre ich heute nicht das leise Schluchzen des ReservierungsComputerchens. Hey, die grünbläulichen Reservierungseintragungen in den Anzeigeeinheiten sind schon zu erspähen. Volle Funktion des Reservierungssystems! Wowh. Am Kopfende des StahlWurms stampft übrigens nachdrücklich die feuerrote Ersatzlok vor sich hin. Mal wieder hat sich der OriginalTriebKopfWagen in eine Defektphase begeben. Überschlägig jede fünfte Fahrt fällt der OriginalTriebKopfWagen aus. Wo die nur immer die Ersatzlokomotiven ausgraben, damit sich möglichst viele StahlWürmer auf dem Gleis herumschieben können? Geheime Lager oder werden die klammheimlich vom Herrscher des russischen Reiches zurückgeleast? Oder in einer unterirdischen Produktionsstätte produziert? 

Pünktliche Ankunft im HBf Düsseldorf. Im Tiefgeschoss, dem Treffpunkt aller fleißigen U-Bahnen des Lokalbetreibers Rheinbahn, wird heute allerdings die TransportApokalypse mit purer Lust zelebriert. Die U 78 rumpelt unlustig herein, kein einziger Fahrgast drinne. Alle Waggons sind binnen Minuten voll besetzt. Stehparty. Die unwillig schließenden Türen [ Die Desorientierten/FacebookAufgeweichten, welche bis heute nicht begreifen können, dass die orangefarbenen Trittstufen frei sein müssen, sind wie immer dabei ] gewährleisten endlich die Weiterfahrt. Allerdings nur bis zur Haltestelle Heinrich-Heine-Allee. Dann ist Schluß und die U 78 nimmt sich völlig selbstständig außer Betrieb. Alle Fahrgäste müssen raus. Galoppi. Warum? Textbausteine wie beim StahlContainerVerschieber auf der Überlandstrecke. Kommt alles aus der Cloud gepurzelt. Der Cloud des ÖPNV-Systems der Bundesrepublik Deutschland.  Supi, der Bahnsteig quillt schon über vor bereits wartenden Menschen. Und wir aus der U 78 werden zwangsweise noch dazugepackt. Geschiebe, Geschubse, die emotionale Temperatur steigt. Das ideale Trainingslager für die Übungen nach dem Motto -- wer hat den giftigsten Blick. Pfffff. Die ganze Menschenwolke drückt sich in die kurz danach einrollende nächste U 78.

Fullbodycontact. Und die Erkenntnis: Die Fernsehwerbung in den öffentlich-rechtlichen Programmen geht voll am realen Bedarf vorbei. Wer braucht schon Thermacare, Optovit oder die Lotion für trockene Haut [ die mit dem netten Lino -- Danke Lino -- ]? Gebraucht würde wirklich dringend die Werbung für Duschlotionen oder meinetwegen auch nur Kernseife. Grumpf. Nur bei einem Produkt in der Werbung der öffentlich-rechtlichen Programme erkenne ich die Notwendigkeit, dass es so intensiv beworben wird: Neurexan. Glättet die Psyche. Angeblich. Macht gelassener. Angeblich. Der Legal-scheißegal-du-kannst-mich-mal-Stimmungs-Erzeuger: Neurexan. Allemal von der Gesellschaft mehr akzeptiert als der kleine Schluck aus dem 

1 .

Oder? Nach dem Aussteigen bei der Haltestelle Arena und dem Reinhüpfen in die zielführende U 79 notiere ich plus fünfundzwanzig Minuten Verspätung beim Aufschlag am Arbeitsplatz. Ich nenne es mal ÖPNV-Morgenrodeo. 

Die Rückfahrt mit dem IC um 18Uhr27 ab Düsseldorf HBf verläuft reibungslos. Lässige fünf Minütchen Verspätung beim Aussteigen in Koblenz. Gesamtverzögerungszeit an diesem Tag dreissig Minuten. Pendlerehrennädelchen für das Pendlerehrennadelkissen. Beginnt jetzt langsam so auszusehen wie ein Igelchen. Hey, Herr Bundespräsident, bald ist es soweit, der Verleihungstermin für BinnenLandOpfer naht. Echt. 

02.05.2016 Der Intercity zittert mit einem voll verriegelten Wagen vierzehn aus dem HBf Koblenz raus. Lapidare Erklärung: Technischer Defekt. Gottseidank nicht an den Achsen, sonst müsste das Teil auch noch aus dem StahlVerband herausgelöst werden. Schick, dass die in Wagen vierzehn jetzt ungültig gewordenen Reservierungen auf Wagen vier umgebucht wurden. In den Pendlerwaggon. Ausnahmslos alle Reservierungen wohnen jetzt in Waggon vier. Bei den Pendlern. Pendlerwanderung beginnt in Richtung Waggon fünf [ Hallo, Waggönchen fünf, du guter alter Bekannter, bist auch wieder mal da? ]. Halt mich fit, ich wandere mit. Keine Reservierungen in Waggon fünf. Die Arbeitsanreise könnte entspannt verlaufen.

Wozu zählen die Kontrolleure eigentlich regelmäßig die Fleischpäckchen frühmorgens? Ah, verstehe, damit die Gesamtzahl der Reisenden erfasst wird, bevor die nächste Restrukturierungsmaßnahme von König Rüdiger Grube eingeleitet werden kann. Differenzierte Aufnahme des Fahrgastreiseverhaltens würde ja glatt die IT des Weltkonzerns überlasten. Und - NEIN - die Inhalte von intelligenter Transporttechnik haben WIR ja dauerhaft in die Archivkiste geschoben. WIR scheuchen gerne ganz unnötig die Fleischpäckchen in unseren Stahlwaggons herum. Machen WIR schließlich bei den Gack-Gack-Kikeriki- sowie Grunz-Grunz Päckchen-Transporten auch so. Und so nebenbei schließen WIR wegen mangelnder Rentabilität noch das Nachtzugwesen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit der Überschrift "Nachtzug ins Nirgendwo" -1 in gerade wehmütig-nostalgischer Tonart beschrieben hat.



Umweltaspekte, Reisequalität, Kundenpflege: Junger Mann im Frühling, WIR sind ein Weltkonzern, WIR brauchen die Umwelt so wenig wie die Anderen. Zweifel? An UNSERER Strategie? CO2-Emissionen pusten wir doch weg. Alles sowieso nur das Geschwätz von religiösen Wissenschaftlern. Glauben wir nicht. Interessiert uns nicht. Übergeordnete Strategien, durchaus denkbar, da der Anteilseigner - Der Staat - andere Prioritäten setzen könnte, wollen WIR nicht ernsthaft entwickeln. Da fehlt uns die Man/Woman Power. Vom BolognaWind verweht. Zischel, kruschtel, knirsch.

Genau so isses. Billiger Fleischtransport eben. Entschieden von Führungskräften auf dem Niveau der gaaaanz schlichten Metzger. Auf dem Niveau der Tönnies-Metzger mit 4,70 €/Stunde brutto. Die ohne Plan, mit Scheuklappen, aber immer einen schnellen Fick [ Zensor ist gerade pinkeln ], pardon - Schnitt. Die Buchstaben purzeln gerade aus der Tastatur heraus, wo bitte ist da die Schnellumschaltung wieder? Hilfääää.

Die Rückfahrt mit dem ICE um 17Uhr27 ab HBf Düsseldorf verzieht sich um lässige fünf Minütchen, der Anschlusszug in Köln HBf hat laut App auch entspannende zehn Minütchen Verspätung. Die Verspätungen haben sich koordiniert. Prima. Kein ICE-Zuschlag auf der Kurzstrecke von einem überaus freundlichen Kontrolleur erhoben. Kompliment an den Kontrolleur. Die Gesamtverspätung an diesem Arbeitsreisetag liegt unter zehn Minütchen und es gibt keine Nädelchen für das Pendlerehrennadelkissen. Nein, gibt es nicht.

03.05.2016 06Uhr05 Abfahrt Koblenz HBf. Heute bin ich zeitlich sehr früh vor der Abfahrt des StahlWurms Richtung Düsseldorf an Gleis fünf. Zeit zum Sinnieren und Blicke schweifen lassen. Ein Güterzug mit zwei Lokomotiven und vierundzwanzig Autotransportwaggons weht in den Bahnhof ein. Da nutzt die Displayanzeige mit dem Wort -- Zugdurchfahrt -- herzlich wenig als Hinweis, denn dieses Monstrum weht wirklich in den Bahnhof hinein und erzeugt eine kleine fetzige Druckwelle auf dem Bahnsteig. Ich teste vorsichtig und gehe übervorsichtig bis zur weiss-schraffierten Markierung auf dem Bahngleis ran, welche verhindern soll, dass Fahrgäste im Sog dem durchfahrenden Zug aus dem Bahnhof folgen. Also verweht werden. Die Druckwelle ist bei diesem Monstrum nach meinem Empfinden grenzwertig. Kleiner Transportmaterialcheck: Die Fahrzeuge sind alle Mittelklassefahrzeuge bzw. Kleinwagen des Autoherstellers mit dem Blitz im Logo. Je Autotransportwaggon erfasse ich zwölf Fahrzeuge. Ergibt dann mal 288 Fahrzeuge mit einem pi-mal-Daumen-Durchschnittsverkaufwert von 20 000 Euronen. Summasummarum sind das 5,760 Millionen Euronen Verkaufswert, die da auf dem Zug soeben aus dem Bahnhof wehen. Respekt. Die Wirtschaft brummt offensichtlich. Wenn dieser Güterzug nicht so durch den Bahnhof wehen würde, könnte ich noch herausfinden, wieviele dieser Fahrzeuge wohl Dieselmotoren haben. Das wäre dann ein weiteres nettes Rechenspielchen, um herauszufinden, welche zukünftige steuererleichterte und innenstadtzugelassene Luftverschmutzung da gerade transportiert wird.

Wieso haben Güterzüge eigentlich keine roten Rückleuchten? NightRider? Gibt es da eine Eisenbahnbundesamtvorschrift, welche das als nicht erforderlich erachtet? Fragen über Fragen.

Dieser Hersteller mit dem Blitz im Logo folgte ja, sofern die Messungen des DUH nicht allesamt gefälscht wurden, demselben Qualitätsmanagementgedanken, welchen besonders lustvoll der Oberwettbewerber VW praktizierte: Die Hauptsache Zertifikatsbepperle. Unter dem Häubchen machen wir dann genau das, was wir schon immer gekonnt umgesetzt haben. Unser Modell Bescheißerle. Das perfekte Modell haben wir ja, die ZertifikatsbepperleVorzeigeKönige: WIR bescheissen ALLE. 

Dreckspatzen. Umweltfieslinge. Bääääh. Widerliche Anzugträger. Garantiert von den Untoten hinten rechts auf dem Friedhof strategieoptimiert worden. Dort, wo McKinsey rumliegt. Vornedran liegt ja Otto Graf Lambsdorff [FDP]. Wäääh. 

Die Hinfahrt wird im HBf Köln, dem Bahnhof mit der schlechtesten Pünktlichkeitsbewertung der BRD, wieder verzögert. Das bringt mir auf der Hinfahrt sehr oft zehn Minuten Verspätung ein.

Die Rückfahrt verläuft völlig reibungslos. Keine Pampereien, keine seltsamen Vorfälle, keine Verspätungen, keine defekten Toiletten. Gibt es zur Zeit eine aus dem Nichts herausgezauberte Wagenflotte, die taktisch zur Kundenberuhigung eingesetzt wird? Das Lekkerli auf Schienen gewissermaßen, um die Moserei der transportierten Fleischpäckchen etwas einzudämmen? Irgendwie irritiert mich das Ganze. 

09.05.2016 Nun gut, das war zu erwarten. Waggon Nummero vier des Intercity mit der Abfahrt 06Uhr05 HBf Koblenz glänzt frühmorgens mit einem sperrangelweit offenstehenden Toilettenkabinchentürchen. Ein Trümmerfeld innerhalb dieses offiziellen Entsorgungshäuschen offenbart sich meinen Augen. Und ich muss jetzt da dran vorbei, drüberfliegen geht ja nicht, oder einen neuen Versuch an einem anderen Waggon wagen. Aber wozu? Um mich unnötig in Hoffnungen hineinsteigern zu können? Sinnlos, die immer zutreffenden Begriffe für den StahlVerschieber DB sind auf jeden Fall eine Untermenge der Menge der Schmuddelkinder. Das/die Leidbild/Leitbegriffe der Menge DB zusammengefasst:  [ Schmuddel, Siff, Defekte, ISO verzweifelt gesucht , Synapsenverlust ] Die Begriffe korrespondieren mit dem/den Leitbild/Leitbegriffen der Menge Führungspersonal: [ Habgier, Kognitiv Befreite, CarportGeile, Außen-hui-innen-pfui-Typen ].

Den früher bestimmt eingesetzten Kontrolleur für die Wagenzustandskontrolle haben DIE einfach abgeschafft. Und im Zuge der Kostenoptimierung an das gleich mit outgesourcte Reinigungsteam übertragen. Wahrscheinlich erhält der ReinigungsTeam-TeamBuilder [hey, wir Abgehobenen lieben diese BuzzWords ] statt 3,88 €/Stunde brutto jetzt 4,22 €/Stunde brutto dafür, dass er gar nicht mehr hinguckt. Wenn er überhaupt mal in einem Waggon unterwegs sein sollte. Verhältnisse wie in Shenzhen [ Sonderwirtschaftszone in China ]. Und das Ganze haben DIE bestimmt in ein solides Korsett eingezwängt, nach dem Motto -- Für die Wagenzustandskontrolle erhältst Du, lieber ReinigungsTeam-Teambuilder pro Monat/Standort/Gleisanschluss pauschal zehn Einheiten dieser 4,22 €/Stunden-Bezahlung brutto. Egal wieviele Züge es sind. Völlig egal. --. Guck einfach nicht hin, lohnt doch nicht. Oder? Hat König Grube alles aus seiner handgebastelten Exceltabelle entnommen. Der Mischkalkulationstabelle.

Das weltberühmte Gebläse des StahlWurms ist deutlich zu hören, zu spüren ebenso. Fensterplatzleider, geh niemals ohne Abdeckmaterial in einen Zug. Sonst bekommst Du Kälteblasen an die rechte, wahlweise linke Backe. Das leise Schluchzen des ReservierungsBordComputers ist zu hören, ich bin ganz ergriffen. Das Kerlchen darf heute seinen Job nicht machen. Warum, wird ja nicht mitgeteilt. Überall schimmert das dezente -- ggfs reserviert -- vor sich hin. Agathe hilf, eine Lautsprecherdurchsage verkündet vom eingeschränkten Angebot des immerhin vorhandenen Bistrowaggons. Laut Durchsage ist das Angebot " stark eingeschränkt" in Folge eines technischen Defektes. Was das jetzt genau bedeutet, verkündet die Lautsprecherdurchsage leider nicht. Wer es genauer wissen will, muss da jetzt hinstiefeln. Ich unterstelle mal, dass der Strom komplett ausgefallen ist im Bistrowaggon. Beileibe keine Seltenheit. Zum Überleben reichen ja die über das MHD hinausgealterten Marsschnittchen oder ähnliches verpacktes Material. Wir rollen mit acht Minuten Verspätung in Köln HBf ein. Anschließend keine weiteren Verzögerungen mehr.

Die Rückfahrt vom HBf Düsseldorf am heutigen Tag gestaltet sich schwierig. Der in allen Fahrplänen vorgesehene und mir schon öfter genutzte Intercity mit Abfahrt 16Uhr27 existiert heute nicht. Wech. Einfach wech. Dafür erscheint wie aus dem Nichts ein IC mit der Abfahrtszeit 16Uhr41 auf der Anzeigetafel, jedoch nicht in der App des DB-Navigators. What the fuck? Was soll ich jetzt glauben? Und tatsächlich rollt dann mit zehn Minuten Verspätung dieser Geisterzug in den Hauptbahnhof ein. Wahrlich ein Geisterzug, ein völlig vergeisterter Bistrowaggon mit Defekten wie am frühen Morgen im 06Uhr05 Intercity ist auch dabei. Nix kaltes, Nix Heisses. Aber Verpacktes. Angebotssituation wie in den Filmen über die ehemalige DDR. Wie passt das bloß alles zusammen? Grübel. Grübel.

Gelöst: DDR reloaded, schießt es mir siedenheiß durch den Kopf. Frau Dr. Merkel, Hand aufs Herz, jetzt lassen Sie doch mal kurzfristig diese alberne RautenHandHaltung. Herz gefunden? Also echt, diese ganze Abbruchshow 1989 ist doch Bestandteil einer gigantischen Übernahme gewesen, gelle? Und zwar nicht so, wie es in der Presse berichtet wurde. Sondern genau anders herum: Die DDR hat uns übernommen. Stimmts? Und seit 1989 sitzt der Frosch [ hier: der westdeutsche Bürger ] im großen Schauglas und unten zischelt der Bunsenbrenner auf kleinster Flamme herum. Garprozess auf kleinster Flamme. Das ist es: Wir merken gar nicht mehr, dass wir gegart werden.

Bald ist Schluß, dann ist der Frosch gar. Schmerzfrei. Und ganz ohne Nachbehandlungskosten. Freut sich die Krankenkasse. Jammern natürlich wieder die Betreiber der Altenheime rum. Heulen lassen.

12.05.2016 Irgendwie schaffe ich es immer früher zum Bahnhof rüber. Sehnsucht nach dem Irrsinn? Faule ich innerlich weg? Oh,oh,oh. Um 5Uhr45 stehe ich da so rum an Gleis fünf. Neben mir, schau mal an, schon der legendenumwobene IC mit geplanter Abfahrt 06Uhr05 Richtung Düsseldorf. Da hat das Rangierteam mal einen flotten Gang eingelegt. Lob. Und an Gleis vier steht! ein gigantischer Güterzug mit Fahrrichtung Süden. Steht. Weht nicht durch den Bahnhof durch. Ich kann gucken. Ganz genau gucken. Und wie ich da so gucke, entdecke ich an den jeweiligen Waggonaußenwänden seltsame Zahlengemische sowie tabellenartige Malereien. Das muss jetzt geklärt werden, wie macht sich das denn, wenn ich als Rentner mal befragt würde, was diese Zeichen so alle bedeuten und ich würde dann nur hilflos mit den Schultern zucken. Das geht keinesfalls.  Tablet raus, die Internethexe Google befragt und siehe da, ja wie geil ist das denn, es ploppt eine richtig gute Internetseite

2 auf. Und gleich noch ein hilfreiches Dokument hier 3 . Und in den Dokumenten taucht eine Prüfziffer auf. Ich bin baff. Prüfziffer bei der DB? Papa Luhn und sein Algorithmus bei der DB. Geil.

Auf Gleis zwei schmurgelt sich soeben ein Güterzug herein. Der will eindeutig nach Norden. Das ist nicht aufbauend. Jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, wer wohl zuerst losfahren darf. Gleiskonkurrenz am frühen Morgen. Und klar, warum bin ich nur immer noch optimistisch, der Güterzug darf als Erster lostuckern. Das wars dann mit der pünktlichen Ankunft in Düsseldorf. Und um 06Uhr07 beginnt der Intercity mit der Schleichfahrt, ach was, mit der Kriechraupfahrt. Gaaaanz zart Gas geben. Auf Höhe des Löhrcenters könnte ich entspannt aus dem Zug steigen und würde mir bei diesem Tempo nichts brechen. Mann oh Mann. Die Mosel blinkt zart unter uns, als wir über die Brücke kriechraupen. So stelle ich mir den Waffenschmuggel nach Nordkorea vor, geräuscharm und im Morgenlicht. Wenn die Wärter schlafen. Genau so stelle ich mir das vor. Potzblitz, was hängt denn da in den Reservierungsschildhalterungen an den Waggonscheiben herum? Dunkelrote Reservierungsschildchen mit der Beschriftung -- bis zum Endbahnhof -- . Und die über den Sitzen vor sich hinschimmernden grün-bläulichen Reservierungsanzeigen zeigen heute echte Abfahrts- bzw. Ankunfts- Bahnhöfe an.

Was gilt? Wer wird siegen? Analog schlägt digital oder schlägt digital etwa analog? Wer konnte sich hier nicht entscheiden? Wie geht der Sitzplatzkampf aus? 

Pünktlichst erreichen wir trotz der kriechraupigen Anfahrtsphase den HBf Düsseldorf. Meinen Kaffeethermosbehälter habe ich bis Bonn einschließlich fest umschlossen. Damit er nicht auf den Boden runterpurzelt. Der Lokführer hat plötzlich dermaßen auf das Gasknöpfchen gedrückt, da wackelte der ganze Zug so vor sich hin. Bei den ausgelutschten Gleisen ein echter Härtetest für die Fleischpäckchen und das rollende Material. 

Die Rückfahrt verläuft sehr hoppelig heute. Der 17Uhr27 ICE von Düsseldorf HBf rumpelt mit 10 Minuten Verspätung herein. Bedauerlicherweise hat der mögliche Anschlusszug in Köln HBf heute keine Verspätung. Gar keine Verspätung heute. Heul, überpünktlich scheint der heute zu sein. Also hoffen auf den Intercity mit Abfahrt 18Uhr18 ab Köln HBf. Dafür wird kein ICE-Zuschlag verlangt. Bloß nicht übermütig werden, denke ich mir. Ein bisschen Glück muss zur Kenntnis genommen werden und nicht immer nur rummäkeln. Ermahnung an das ICH.

Es rollt in Köln HBf herein ein Exemplar der neuen zweistöckigen IC-Generation. Blitzend und blinkend. Und im Gegensatz zu den Ausführungen aus der Wirtschaftswunderzeit ist der neue IC-Vertreter natürlich kürzer. Weil, wegen in die Höhe gebaut und somit platzsparender für den Betreiber. Da können jetzt wohl immer zwei dieser Exemplare auf einem Gleis von den Fleischpäckchen betreten werden. Genau so ist es auch hier. Egal. Rein in die funkelnagelneue Kiste. Nö, das glaube ich jetzt aber nicht. Der heutige Tag hat mit tollen Sommertemperaturen aufgewartet und hier drin ist es noch wärmer? Nö, das will ich nicht glauben. ABER meine Befürchtung bewahrheitet sich: Klimaanlagenausfall. Nö, das kann und will ich nicht wahrhaben. Dieses leidige Dauerthema jetzt schon bei den neuen Zügen? Die Temperatur im Obergeschoss des funkelnden Intercity muss dermaßen unangenehm sein, dass die Fahrgäste schon wieder ins Parterre zurückströmen. Hechelnder Hund und schwitzende Fahrgäste dicht gepackt im Parterre. Nö, ich fasse es nicht. 

Und wir kriechraupen los. Eine ausführliche Besichtigung der Haltestelle Köln-Hürth steht ja an. Bahnhofgucken, denn der Zug hält einfach mal so vor sich hin. Und was sehe ich auf der anderen Haltestellenseite so gaaanz entspannt losrollen? Einen Güterzug. Mit satten 35 Waggons. Derselbe schiebt sich ganz langsam in Richtung Süden los. Wir stehen. Er schiebt los. Kruzifix, sackrament, wieviel Verspätung in diesem überheizten StahlContainer müssen jetzt einkalkuliert werden? Ich nehme es vorweg: Es werden satte 20 Minuten. Pendlerehrennädelchen für das Pendlerehrennadelkissen. Yeap.

In Andernach steigt eine offensichtlich verwirrte ältere Frau in den Dampfwaggon ein. Ein unermüdlicher Redestrom schiebt sich vor ihr her. Sie sucht verlorengegangene Briefe. Diese verlorengegangenen Briefe benötigt die Frau unbedingt, denn ansonsten muss sie die Wohnung verlassen. Sie spricht jeden Fahrgast darauf an, ob er/sie vielleicht Oberstaatsanwalt sei und ihr beim Suchen nach den besagten verlorenengegangenen Briefen helfen könne. Genau dieser überschaubare Textbausteine wiederholt sich alle 2 Minuten. Gut, in Andernach ist mindestens eine qualifizierte Nervenheilklinik beheimatet. Ist die Frau dort ausgebüxt? Keiner traut sich aus taktischen Gründen, den Wiederholungstext der verwirrten Frau zu unterbrechen. Alle ahnen, dass dann der Feierabend hinüber ist und die Frau zur Bahnhofmission gebracht werden müsste. Großes Schweigen und Blick fest auf den Boden wahlweise aus dem Fenster getackert. Bloß nicht in die Falle tappen....

13.05.2016 Die Fahrt von Koblenz HBf nach Düsseldorf HBf verläuft völlig vorkommnisfrei. Heute ist die Rückfahrt mit dem 15Uhr48 ab Düsseldorf nach Köln geplant. Kleiner Umtrunk mit Quasselrunde in Köln findet statt. Und nein, der Besuch in der Altstadt erweist sich wieder mal als überflüssig. Gottseidank. Hinten aus dem Hauptbahnhof raus und in Richtung Eigelstein getigert. Vorbei an Läden, deren Angebot ich frech als " vom LKW runtergefallen und gucke mal, da liegt was rum, das müssen wir mal retten gehen" bewerte. Sehr quirliges Eckchen, der Eigelstein.

Hopfenblut heißt in dieser Kneipe das besondere Getränk. Rustikal-sympathischer Umgangston. Devise: Gib mir Deinen Vornamen, ich lege den Deckel für Dich an. Ab da wird jede Bestellung akkurat rübergegeben und per Du abgewickelt. Und dass man vor der Kneipe am äußeren Fensterbrett sitzt und sein Getränk einwirft, wirft hier keinerlei Fragen auf. Biertrinker rennen ja auch nicht einfach weg. Also die echten Biertrinker, nicht die Möchte-Gerne-Kann-Nicht-Vertrag-Nix-Schnullis. Genial.

Wenn die Bahnfahrt dann nach einem kleinen Umtrunk noch eine knappe Stunde dauert, steuere ich gerne eine Espressobude an. Und im HBf Köln gibt es einige Espressobuden. Heute haben wir leider die falsche erwischt. Starbucks. Gruselig

Der Espresso im Starbucks im HBf Köln entpuppte sich als widerliches Getränk. Wofür dieser Riesenkonzern sogenannte Baristas ausbilden lässt, erschließt sich mir angesichts dieses widerwärtigen Geschmackserlebnisses überhaupt nicht. Bäh!

Verlängertes Wochenende. Great.

18.05.2016 06uhr05 Wagen vier fehlt.  Die Waggonreihung heute exakt umgedreht, Erste-Klasse direkt hinter der feuerroten Lok. Am Zugende wird außerdem eine weitere feuerrote Lok mitgeschleppt. BackupLok? Aber die Reservierungsanzeigen sind in Betrieb. Eine Grundsauberkeit durchaus feststellbar ::))) Pünktliche Ankunft in Düsseldorf HBf. Übrigens: In diesem Zug hat der Chef begriffen, wie die Kälte-Wärme-Anlage (besagte Stahlschlitze unter den Waggonfenstern) zu bedienen ist. Nix Druckwelle zum Irokesenschnittföhnen. NEIN, ein Säuseln der Luft. Bravo! Meisterhämmerchen!

Die Rückfahrt mit dem 16Uhr34 Intercity [ seit wann gibt es denn den eigentlich? ] beginnt mit plus zehn Minuten EinfahrVerspätung im HBf Düsseldorf. Das Bistro bollert mit gefühlten fünfundzwanzig Grad Celsius auf den Fahrgast nieder. Hitzewand wie in Afrika kurz vor Wüstenbetretung. Die Verkaufstheke komplett zugenagelt. Auf Nachfrage eines durstigen Mitfahrfleischpäckchens  am BistroVerkaufsNebenTürchen ergibt sich, dass es keine Ware für das Bistro an Bord der StahlSchlange gibt. Die Dame des Verkaufswesens sitzt im vernagelten Verkaufsteil. Unsichtbar geschaltet. Eigendynamik zur information der wartenden Fahrgäste? Völlige Fehlanzeige. Ja, ja das Leben so beschwerlich. So furchtbar beschwerlich. Ab HBf Köln werde neu "verhandelt", denn da entscheidet sich, was an Bord kommen könnte. So die Auskunft der Dame des Verkaufswesens. Great.

Meine Vermutung: Die leeren Kühleinheiten werden jetzt auf höchsttechnischraffinierte Art und Weise für die Heizung umgeswitcht. Anders lässt sich die Wüstentemperatur nicht erklären. Mal sehen, was in Kölle so passiert......

Interessantes Spielchen. Ist in der Bahnapp [ auf dem Smartphone oder Tablet ] tatsächlich ein Bistro aufgeführt, könnte die Schlussfolgerung lauten, dass es irgendwas zum Trinken an Bord gibt. Eine äußerst gewagte Annahme. Mache ich doch mal ein Fässchen auf und spiele das BistroKabinettsSpielchen mal durch. Auf geht es zum Nümmerchen mit großem Kümmerchen.

Info1 in der Bahnapp ---> IC ohne Bistro wegen Fuhrparkverkürzung ( u.a. beim 17uhr49 IC von Düsseldorf nach Koblenz schon lange vollzogen) -----> ALARM! Eigenversorgung dringend notwendig. Rasen Sie zum Händler Ihres Vertrauens im Vorfeld/Umfeld/Tiefparterre/Obergeschoss/AufdemGleisVerkauf. Sorgen Sie vor.

Denn DIE lassen sie ansonsten schlicht verrecken in der Stahlschlange.

Info2 in der Bahnapp ---> IC mit Bistro im Zugverband. Alarmzustand kann nicht beendet werden, lediglich die Hoffnung glimmt ein bißchen auf wie bei einem Leuchtkäferchen in einer lauen Sommernacht. Und nun?

Um Info2 aus der Bahnapp validieren zu können, kommt die zwingend erforderliche Objektprüfung. Steht das was von Bistro auf dem Waggon drauf? Dann Befühlen der Metallhaut des Bistrowagens mit beiden Händen von außen. Bei positiver Rückmeldung kann der Bistrowagen bestiegen/betreten/beabenteuert werden. 

Das BahnBistroCasinoGammeliPokern beginnt JETZT mit folgenden Varianten zur Belustigung des Fleischpäckchens [ vulgo Fahrgast ] :

Variante 1--->  Nur Weizenbier, lauwarm alternativ gefrostet, Currywurst ohne Brötchen, kein Flammkuchen, Kekse
Variante 2--->  Nur Pils aus der Flasche, lauwarm oder eiskalt, keine Currywurst, jedoch Brötchen, Flammkuchen, keine Kekse, aber Zuckerwürfel
Variante 3----> Nur Fassbier,  lauwarm oder eiskalt, Kartoffelsuppe ohne Würstchen [ verlorengegangen ], keine Currywurst, keine Kekse, aber Flammkuchen
Variante 4----> Nur alkoholfreie Getränke, lauwarm alternativ gefrostet, Kaffee im Überfluss, keine Kekse, keine Gebäckteilchen
Variante 5----> Keine alkoholischen bzw. alkoholfreien Getränke, aber Knabberriegel plus Kaffee [plürrewarm], Currywurst mit Brötchen, kein Flammkuchen
Variante 6----> Nix von Alledem [ Verkaufskraft erschossen im Vorbahnhof, Verkaufskraft ermattet im Kabäuschen sitzend, Alles zugenagelt ]
Variante 7----> Alles gemäß Angebotspalette vorhanden, aber Heizung im Bistro defekt. Gefahr für Leib und Leben, das Bistro wird allseitig verriegelt und die Fahrgäste müssen zuvor in andere Waggons ausgelagert werden.
Variante 8----> Alles vorhanden, die Heizung spinnt nicht vor sich hin. Der Sollzustand wurde erreicht - WOWH.

Bei Variante 8 hatte der liebe Gott [ Schöpfer des Universums ohne festen Wohnsitz ] und keinesfalls der niedergehende König Grube mit seiner BistroVersorgungsTrödlertruppe die Hände im Spiel. Never ever! Variante 8 gleicht einem Geburtstag.

Wieviele Geburtstage feiert Mann/Frau denn so im Jahr? Na? Inclusive der krummbuckligen Verwandschaftsgeburtstagsfeiern. Na, wieviele?

Das Bistro im heutigen IC hat tatsächlich Ware in Köln HBf (Einen Collie voller bunter Transportkisten) erhalten und beim Verlassen des HBf Bonn eröffnet auch der Verkauf wieder. Sportlich. Ob das bis Stuttgart reicht?

Die Gesamtverzögerung der Stahlschlange beim Eintreffen im HBf Koblenz beträgt exakt neunzehn Minuten!




 -1 Link führt zur FAZ Online Artikel vom 11.05.2016 mit Artikelzeit 08:44 Uhr (Aktualisierung)
1  Link am 17.05.2016 aufgerufen    http://www.amazon.de/Whisky-Tasche-Flachmann-Schnaps-Alkohol/dp/B00XDU8CXG

Link aufgerufen am 17.05.2016   https://de.wikipedia.org/wiki/UIC-Wagennummer
3  Link aufgerufen am 17.05.2016   https://wiki.einsatzleiterwiki.de/lib/exe/fetch.php?media=allgemeine_hilfe:bahn:leitfaden_hilfeleistung:db_leitfaden_hilfeleistungseinsaetze_05_schienenfahrzeuge_db.pdf
4  Link am 17.05.2016 aufgerufen   http://www.gaffel.de/Koelsch-und-Essen/Auswaerts-geniessen/Weinhaus_Vogel-gg40.html


Tags: Bahnunwesen

Drucken E-Mail

Auf dieser Webseite werden Cookies auf den Rechner des Websurfers übertragen. Einige sind wichtig für die Optimierung der Nutzererfahrung. Cookie-lose Techniken wie Browser-Fingerprinting helfen Unternehmen, neben der Verbesserung der Nutzererfahrung, individuelle Profile außerhalb der Nachprüfbarkeit des Web-Nutzers zu erstellen.

Eingebundene externe Cookies nach der Zustimmung stammen von

  • google-analytics
  • google-tagmanager
  • jsdelivr.net
  • agora-energiewende.de
  • buzer.de

Ohne Ihre Einwilligung werden einige Funktionen dieser Webseite nicht zur Verfügung stehen.

Beim Anklicken hinterlegter Links in Artikeln werden die vom angesteuerten Link angelieferten Cookie-Meldungsfenster zusätzlich angezeigt.

Mein Impressum. Den Sinn der von der EU durchgesetzten Zwangs-Einverständniserklärung können Sie hier oder hier erlesen. Sie könnten auch Herrn Jan Philipp Albrecht befragen.