hippo attacks xkcd 05.06.2021

Marodierende Verspätungsminuten + Rope Mother Margaret Hamilton


18.07.2016 Der IC um 06Uhr05 ab Koblenz HBf begrüßt die Fleischpäckchen mit der wenig aufbauenden Mitteilung, dass ein Totalausfall des Reservierungssystems stattgefunden hat. Die Entscheidung, alle Sitzplätze freizugeben, verstehe ich inhaltlich nicht. Bedeutet dies etwa: Die ReservierungskärtchenInhaber haben keinerlei Anspruch auf den bezahlten/geleasten Sitzplatz und dem Hauen und Stechen mit steigender Zahl der besuchten Bahnhöfe wird Tür und Tor geöffnet?

Der Bahnhof zeigt sich heute morgen in einem vermüllten Zustand. Die Rolltreppe zum Bahnsteigdoppel vier/fünf wurde tief in der Nacht zur Hälfte repariert. Immerhin. Waggon fünf sieht innen aufgeräumter aus als der Bahnhof selbst. Mmmmmh.
Seltsam, ich höre das Schluchzen des Reservierungsbordcomputerchen gar nicht. Nichts zu hören. Totenstille. Schluchzmäßig.

Pünktliche Ankunft im Zielbahnhof Düsseldorf.

16Uhr27 soll das Rückgefährt losrollern. Nun ja, soeben rollt der ursprünglich mit 14Uhr27 Abfahrt eingeplante Stahlwurm in den Bahnhof. Für diesen Stahlwurm reicht es dann nicht mehr bis zum ursprünglichen Ziel. In Köln wird das Teil aus dem Liniendienst genommen. Der 16Uhr27 IC röchelt mal mit 10 Minuten Verspätung ein, glänzt aber mit einem funktionsfähigen UND klimatisierten Bistro. Alles paletti. Lets go. Nix lets go. Also echt, die Haltestelle Brühl sieht auch nicht gerade erhebend aus, obgleich das sonnige Wetter beschönigend wirkt. Trödeln am Gleis ist angesagt, raupenartiges Vorwärtsschleichen des Stahlwurmes.

Koblenz erreichen wir mit auf der Strecke zusätzlich eingesammelten Verspätungsminütchen, welche  bekanntlich vor/unter/neben dem Gleis umhermarodieren, also das FleischpäckenTreibSieHöherDieVerzweiflungGeschäft betreiben, mit 17 Minuten Verspätung. 

21.07.2016 Alarmstufe orange. Der 06Uhr05 Stahlwurm hat eine feuerrote Lok an der Zugspitze. Das bedeutet, der OriginalZugAntriebskopf (seit 2006 von mir misstrauisch beäugt und mit dem Verhalten eines zickigen 14-jährigen Teenies vergleichbar) ist mal wieder defekt. Steigerung: Waggon drei unbenutzbar. Reisenden Fleischpäckchen mit Reservierung in Waggon drei wird die Benutzung von Waggon fünf empfohlen. Die Rolltreppe zum Bahnsteigdoppel vier/fünf hat wieder eine Vollsperrung verpasst bekommen. Nix geht mehr. Die Reparatur der Bergauf-Rolltreppenrichtung nach so kurzer Zeit gescheitert?

Weiah, weiah. Waggon vier zeigt mir den Ausfall des Reservierungssystems an. Ich schluchze leise mit dem Reservierungsbordcomputerchen mit.

Pünktliche Abfahrt.

Im Vorfeld von Bonn funkelt ein verschwundenes Mobilfunknetz vor sich hin. Dem Netz des Marktführers mit -- Tele -- am Anfang und -- om -- am Ende der Firmenbezeichnung.

Mit 7 Minuten Verspätung verlassen wir den HBf Bonn. Die marodierenden Verspätungsminuten, gehässig und völlig geräuschlos agierend, tragen dann zum Endergebnis von 10 Minuten Verspätung bei Ankunft im HBf Düsseldorf bei.

Rückfahrt mit dem 16Uhr27 ab Düsseldorf und da sich auf der Vorstrecke ein paar Personen im Gleis herumgetummelt haben, wird der Startzeitpunktf auf 16Uhr42 verlegt. Nachdem sich überschlägig 10 Personen im teilverrammelten Bistro erwartungsvoll platziert hatten, erscheint eine mittelschwer burschikose Kontrolleurin und bittet die Fleischpäckchen,  selbiges zu verlassen, da die Klimaanlage defekt ist. Das kennen wir ja schon zur Genüge aus den letzten 10 Jahren. Das Klimaanlagenproblem. Also rücken alle Fleischpäckchen aus dem Waggon ab und versuchen ein Plätzchen irgendwo zu ergattern.

By the way, im Bistrowaggon gibt es HerunterschiebeFenster. Da könnte die Frischluft hereinwehen. In den BistroWaggon. Früher, im Pleistozän des Bahnrumfuhrwerkens, war das Standard mit der ungebremsten Naturgewalt in Form von Hitze. Heute stellt das schon eine Gefährdung des Fahrgastes dar. Damit will ich nicht behaupten, heute sei alles viel weicheiiger als früher. Nö, will ich nicht sagen. Es ist schlimmer: Der Übervorsorgestaat schlägt gutgemeint, aber falsche Prioritäten setzend, erbarmungslos zu. Nach der Devise: Armes PuppiFahrgastWesen, du musst schwitzen. Und wir überlassen es dir, oh Fleischpäckchen, ganz bestimmt nicht, selbstständig die Entscheidung zu treffen, ob du schwitzen willst und wo genau. Nein. Diese Entscheidung treffen wir. Wir verschieben Dich entweder in einen gleicherhitzten Waggon oder in einen klimatisierten Waggon. Jojo, die Hauptsache, das Qualitätsmanagement, den BistroWaggon betreffend, wird eingehalten. Wahrscheinlich gibt es eine Schutzvorschrift, dass den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen die Arbeit im nicht klimatisierten BistroAbteil aus Arbeitsschutzgründen nicht zugemutet werden kann. Wahrscheinlich? Ganz sicher!  Wobei ich dann nicht einordnen kann, warum die Fahrkartenkontrolle temperaturunabhängig immer funktioniert. Und auch das Erheben des Fahrgeldes temperaturunabhängig funktioniert. Selbst wenn der Fahrgast wegen außer Betrieb genommener Waggons [ Wir wissen schon: Das Temperaturthema muss bei dem StahlwurmBetreiber ganze Ingenieursabteilungen vollauslasten ] für das Entgelt keinen Sitzplatz ergattern kann. Es gibt dann keinen BacksteinBodenSitzFußTrittRabatt.

In Wiederholung: Fleischpäckchen [ zweibeinig = Mensch ] werden schlechter behandelt als die reisenden Gacks-Krähs-Kikerikis [ meist eierlegende Zweibeiner ] oder die reisenden Grunz-Quieks [ vierbeinige Kotelettchen ]  oder die Stahlrohre [ Zeit + Rost ] oder der Brückenbeton [ Hast du den Beton mit der Bahn geschickt, wird er garantiert verdickt ]. Bei gleich schlechten Bedingungen müssen die Fleischpäckchen auch noch fett Kohle abdrücken UND verlieren die Chance zur selbstbestimmten Zeitverwertung. Jene durch Nichtorganisation des StahlwurmBetreiber zwangsgeklauten Lebensminuten  - ach was, es sind Lebensstunden - ach was, bei mir sind es schon Lebensmonate -- schreien förmlich nach Wiedergutmachung.

Ich werde jetzt einen Antrag auf Bezuschussung stellen. Beim StahlWurmBetreiber. 10 Prozent des Notebookanschaffungspreises plus 25 Prozent für die bezahlten Filme. Jene Filme, die ich während der desorganisierten Zwangsbeförderung anschaue, um meine gewaltorientierten Gedanken wegzuwischeln.

Bisher erfolgreich. 

Jawolli. Das tue ich.

Die lümmeligen Verspätungsminuten haben heute Hochsaison: Ab Köln HBf plus 19 minuten.

Leichte Aufrüstung gefällig? Ab Bonn HBf plus 21 Minuten.

Bleibt dabei. Wird nicht mehr. An Verspätungsminuten.

Mit 28 Minuten Gesamtverspätung ergibt dies ein Pendlerehrennädelchen. Der EhrennädelchenIgel vernadelt immer dichter. Fahrplanvorgesehene DB-GleisbetreiberGesamtzeit Hin/Zurück: 165 Minuten. RealZeit: 193 Minuten. Und wäre ich fair, so würde ich 15 Minuten rausstreichen, denn für herumhopsende Zweibeiner auf dem Gleis kann der Betreiber nichts. Will aber nicht fair sein heute.

22.07.2016 Einmal unaufmerksam und gleich macht es pitsch-patsch. Der Stahlwurm mit geplanter Abfahrt 06Uhr05 (Rolltreppe zum Bahnsteigdoppel vier/fünf heute wieder halbbetriebsfähig) ist umgekehrt! gereiht. Also von der ersten Klasse durch das Bistro in Richtung zweite Klasse traben. Die WirtschaftswunderzugAusstattung die Zweite. Großraumwaggon? Nein, Kleingruppendesign. AusgestreckteBeineIneinanderverhakelDesign. SechserAbteils mit wertig ausschauenden Lederimitatsitzen.

Wowh.

Flitzebogenartig durch den Gang pulsierende Fahrkartenkontrolleurin. Um 06Uhr06 Fahrkartenkontrolle.

Wowh.

Die muss im Zug übernachtet haben.

Jesses.

Ankunft in HBf Düsseldorf mit 10 Minuten Verspätung.

Der Stahlwurm mit Abfahrt um 17Uhr27 rollert mit 10 Minuten Verspätung aus dem HBf Düsseldorf. Dieses nette Züglein entsprang dem Sonderfahrplan des Stahlwurmbetreibers. Die Ankunft vor 19 Uhr im Zielbahnhof ist natürlich nicht mehr möglich.

Von überall her heften sich marodierende Verspätungsminütchen an den Stahlwurm. Verspätungsverwanzung. Ḱeine Chance zum Ausweichen. Beim Eintreffen in den HBf Koblenz haben sich 21 Minuten Verspätung gehässig kichernd versammelt.

Mit 31 Minuten Gesamtverspätung ergibt dies ein weiteres Pendlerehrennädelchen. Der PendlerEhrennädelchenigel vernadelt immer dichter. Fahrplanvorgesehene DB-GleisbetreiberGesamtzeit Hin/Zurück: 165 Minuten. RealZeit: 196 Minuten

In der dieswöchigen Ausgabe des fliegengewichtig gewordenen und nach Kassenlage [ Chefredakteure wechseln zwischen BILD und DER SPIEGEL -- früher unvollstellbar -- ] agierenden Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL hat mich ein Beitrag über die Raumfahrt fasziniert. Und hier mit dem besonderen Blickwinkel auf die damalige Digitaltechnik. Der Artikel handelt von  Margaret Hamilton, der "Rope Mother". Offenbar gibt es eine Ausstellung. Leider wohnt die Ausstellung ein bisschen sehr entfernt von Koblenz. Als Ersatz muss diese faszinierende Webseite herhalten. 

Damals konnte jedes Bit in Form eines Eisenteilchens noch auf die Küchenwaage gelegt werden und es wurden ein paar Gramm angezeigt. Das Bit, ob es eine 0 oder eine 1 dargestellt hat, konnte gewogen werden!  Und mit den Eisenkernchen und einer Leine (vereinfacht gesprochen) haben die Bit-Ketten gebastelt. Und ohne dieses im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Computerprogramm wäre die bemannte Raumfahrt nicht denkbar.

Ein Gesamtüberblick des Wirkens von Margaret Hamilton hier

2 und als Knaller ein Video zur BitKette, zum Bitstricken. Hier

3.

Saaaagenhaft. Grandios.





1 Link führt zu https://airandspace.si.edu/stories/editorial/rope-mother-margaret-hamilton
2 Link führt zu Wikipedia Artikel Änderung 08.03.2016 12Uhr56
3 Link führt zu YouTube 16.03.2011 Uploaded


Tags: Bahnunwesen, InformatikEcke

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